Seit einem Jahr ist die BahnCard auch als kostenlose Visa-Kreditkarte zu haben. Die Citibank packte damit ein Riesengeschäft an und landete einen Flop.

Für die Deutsche Bahn AG ist die BahnCard ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung. Als sie im Oktober 1992 aufgelegt wurde, reagierte das Unternehmen damit nicht nur auf Vielfahrerforderungen nach einem Halbpreispaß, sondern peilte zugleich auch den Aufbau einer millionenfachen Stammkundenkartei an.

Bis März 1993 waren 900 000 Karten verkauft, bis Ende 1994 drei Millionen. Das DB-Ziel von fünf Millionen verkauften Karten erschien realistisch.

Doch dann machte die Bahn AG einen entscheidenden Fehler: Mitte 1995 legte sie mit der Citibank die "bessere" BahnCard auf, die seitdem auch als gebührenfreie Visa-Kreditkarte zu haben ist.

Außerdem übertrug die DB der Bank die Organisation des BahnCard-Vertriebs.

Das führte zu einem Zielkonflikt. Denn die Bank wollte vor allem die Kreditkartenversion verkaufen, während die meisten Reisenden nur an der bisherigen Form der BahnCard ohne Zahlungsfunktion interessiert waren. Mit allerlei Tricks versuchte die Bank anfangs, deren Verkauf zu blockieren. So gab es auf dem Antragsformular kein Feld zur Bestellung der Karte in bisheriger Form ohne Zahlungsfunktion.

Außerdem wurden von den Kunden datenschutzrechtlich fragwürdige Auskünfte über ihre Finanzverhältnisse verlangt. Erst nach schlagzeilenträchtigen Protesten von Verbraucherschützern änderten Bahn und Bank im September 1995 das Formular.