Wenn auf der Bühne das Video eines Atombombentests läuft und sich davor ein nackter Mann von einer kahlgeschorenen Frau mit einem Küchenmesser den Rücken anritzen läßt, dann ist das eine Performance.

Jedenfalls, wenn das Feuilleton darüber schreibt. Wenn Wirtschaftsmenschen von Performance sprechen, meinen sie meist etwas anderes. Aber auch bei ihrer Performance geht es um Selbstdarstellung, um gewagte Operationen, um Angst, Erregung und um menschliches Versagen.

Der Wertpapierhändler Nick Leeson zum Beispiel dürfte wohl zu den begnadetsten Performance-Künstlern gehören, die die internationale Wirtschafts-Society je hervorgebracht hat.

Manche übersetzen Performance einfach mit Wertsteigerung. Das ist nicht ganz korrekt. Andere verwenden Performance als Synonym für Gewinn, Rendite oder Ertrag. Auch das ist ungenau. Performance bedeutet mehr als bloß die Zunahme eines Vermögens. Sie steht für den Erfolg oder Mißerfolg von Vermögensmanagern. Sie ist sozusagen ihr Leistungsnachweis.

Ein Sparkonto mit einem festen Zinssatz, wie es die Bank an der nächsten Ecke offeriert, kann niemals eine Performance haben.

Höchstens eine von Anfang an feststehende Rendite, wahrscheinlich keine besonders gute. Performance indes ist etwas völlig Ungewisses.

Niemand weiß im vorhinein, wieviel er einmal zurückerhalten wird, wenn er sein Geld beispielsweise einem Investmentfonds anvertraut.