Portrait von Romana Machado: "Playboy"-Modell und Softwarespezialistin

Romana Machado ist dieser Tage nicht ganz zufrieden mit sich: Noch immer ist die neue Version ihrer Software nicht fertig. Ein Blick in ihre "World Headquarters" mag die Verzögerung erklären: Die ehemalige Mitarbeiterin des Computerkonzerns Apple ist nicht nur eine begabte Programmiererin, sondern auch ein praktizierendes Aktmodell. Mit Nacktphotos, die sie übers Internet verbreitet, verdient sie eine Menge Geld, und sie ist eine überzeugte Anhängerin des Extropianismus , der neuesten Modephilosophie aus der kalifornischen Kultküche. "Es gibt so viel zu tun", klagt die Vielbegabte. "Aber Ende des Monats bin ich fertig, versprochen!"

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Romana Machado auf ihrer Homepage

Ihr Programm, genannt Stego , kann verschlüsselte Daten so behandeln, daß selbst die Tatsache der Verschlüsselung geheim bleibt. Es versteckt die Daten einfach in anderen großen Dateien; so sind sie doppelt gesichert - zum Leidwesen von Geheimdiensten und Strafverfolgern. Sie fürchten zu ertauben, seit jedermann mit einem Programm namens PGP seine Mitteilungen so sicher verschlüsseln kann, daß die stärksten Computer nichts dagegen ausrichten. Die Regierungen verschiedener Staaten erwägen deshalb, den Austausch verschlüsselter Daten zu verbieten oder doch stark einzuschränken (siehe den Artikel oben). Aber wie kann man regulieren, was überhaupt nicht mehr nachzuweisen ist? Die Vorgängerversion von Stego, die längst fertig ist, darf alle Welt kostenlos von Romana Machados Web-Niederlassung herunterladen.

Stego versteckt verschlüsselte Daten unauffällig und unauffindbar in beliebigen Photodateien. Diese verändern sich dadurch kaum. Statt verdächtigen Zeichensalats sehen Schnüffler nur ein Bild. Das Programm nutzt die Art und Weise, wie Photos in Computern gespeichert sind. Jedes Bild besteht dort aus Millionen von Pixels, von denen jedes wiederum aus einer Reihe von Bits zusammengebaut ist. Die Pixels von Schwarzweißbildern zählen beispielsweise acht Bits; damit lassen sich 256 verschiedene Graustufen darstellen, von ganz schwarz bis ganz weiß. In diesen Pixels versteckt Stego nun die verschlüsselten Daten. Die eine Hälfte der Pixels bleibt dabei gleich. Die andere Hälfte verändert ihren Grauton um genau eine von 256 Stufen - eine Modifikation, die das menschliche Auge nicht erkennen kann.

Bisher läuft Stego nur auf Macintosh-Computern. Aber der neuen Version wird es egal sein, in welcher Art von Rechner sie steckt. Denn Romana Machado hat sie in Java verfaßt, der Programmiersprache des Computerherstellers Sun, die sich mit allen Betriebssystemen verträgt.

Fragt sich nur, welche Botschaften sich in den Photos verbergen, die die Programmiererin auf ihrer kommerziellen Web-Seite anbietet. In allerlei barocken Posen ist sie da nackt zu sehen, gegen Entgelt: Zehn Dollar kostet jede Ausgabe der Bildersammlung "The Peek of the Week". "Ich habe eben Talent für beides", sagt Romana Machado, die sich schon 1985 erstmals für den Playboy ausgezogen hatte. "Es gibt doch auch Wissenschaftler, die am Wochenende Cello spielen."

Das Hobby garantiert ihr die finanzielle Unabhängigkeit, die für ihr drittes Talent vonnöten ist: Sie ist überzeugte Extropianerin, also Anhängerin jener Philosophie, deren Anhänger seit ein paar Jahren anstreben, sich in "transhumane" Supermenschen zu verwandeln. Dabei setzen sie vor allem auf die Technik der Zukunft. Sie soll ihnen höhere Intelligenz verschaffen, ein besseres Gedächtnis und größere physische Kraft. Romana Machado hat sich vorgenommen, sogar den Tod zu überwinden - mittels der sogenannten Cyronischen Suspendierung: Sie will sich einfrieren lassen. "Der Tod", so meint die Transhumane, "ist nur ein ungelöstes technisches Problem."

Für Nichteingeweihte ist recht schwer nachzuvollziehen, was diese Bewegung und ihre meist in Kalifornien lebenden Anhänger umtreibt. Aber Romana Machado arbeitet bereits an einem Buch, das alles erklären soll. Voraussichtlich ab Ende des Sommers wird es auf ihrer Web-Seite zu lesen sein.

Die Extropianer sind allerdings nicht ganz glücklich über ihr Medientalent. Max More, einer der Gründer der Bewegung: "Ich glaube, sie steht eher auf Selbstdarstellung als auf Extropie."

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 1996
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