Brigitte Helm

Gerade zehn Jahre dauerte ihre Karriere - von 1926 bis 1936. Doch in dieser Zeit arbeitete Brigitte Helm mit den besten Kino-Regisseuren zusammen, die Deutschland damals noch zu bieten hatte: 1927 mit Karl Grune ("Am Rande der Welt"), 1931 mit Gustav Ucicky ("Im Geheimdienst"), 1932 mit G. W. Pabst ("Die Herrin von Atlantis") und Gerhard Lamprecht ("Spione am Werk"), 1933 mit E. A. Dupont ("Der Läufer von Marathon"), 1934 mit Arthur Robison ("Fürst Woronzeff"), 1935 mit Herbert Selpin ("Ein idealer Gatte"). Angefangen aber hatte sie ganz oben: in Fritz Langs "Metropolis", als "Heilige und Hure". Einerseits ist sie das gutmütige Arbeitermädchen Maria, das die Unterdrückten zu führen sucht, um sie von der erlösenden Macht menschlicher Herzenskraft zu überzeugen. Andererseits ist sie das kaltherzige Maschinenwesen, das, als Marias Ebenbild entworfen, "das Volk im Sinne der Herrschenden verführen soll". Brigitte Helm gelang mit dieser Rolle ein aufreizendes Spiel zwischen Schein und Sein, das sie zu einer Ikone des deutschen Kinos machte. Ihr Auftritt nahm bereits vorweg, was erst später im Kino klar wurde, bei Marlene oder Marilyn: Auch Verführung ist bloß ein Effekt.

Ihre "Alraune" (1927, stumm, für Henrik Galeen 1931, mit Ton, für Richard Oswald), dieses künstliche Geschöpf, erdacht, um die Männer zu verwirren und ins Verderben zu reißen, zeigte dann alle Facetten des Kino-Vamps. Sie variiert geradezu genüßlich die Aura des Dämonischen: ein so faszinierendes wie ängstigendes Spiel um Männerphantasien am Rande des Verbotenen. Brigitte Helm, die ihre Rollen nie sonderlich, ihre Funktion innerhalb des NS-Staats überhaupt nicht mochte, entschied sich - nach Ablauf ihres ersten, zehn Jahre dauernden Vertrags mit der Ufa - auszusteigen. Sie heiratete den Industriellen Hugo Kunheim, gebar vier Kinder und verbrachte ihr Leben zurückgezogen in Ascona. Anfang vergangener Woche starb sie achtundachtzigjährig in ihrer Villa an einem Herzversagen.

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