Neue Kolumne von Umberto Eco: Wie man Sex im Internet suchtSeite 2/2

Verzweifelt kehre ich zur Liste der "Hundert Heißen Adressen" zurück und finde etwas, das mich vom Stuhl aufspringen läßt. Ein gewisser Dan Moulding erklärt mir, wenn ich Busen, Genitalien oder andere Teile des weiblichen Körpers sehen wolle, superpornographisches Material in rauhen Mengen, dann läge ich bei ihm richtig. Eilends klicke ich auf OK, und es erscheint eine Message, die mir sagt, daß ich ein großer Schmutzfink sei und mich schämen solle.

Dan Moulding ist ein strenger Moralist aus Utah (also vielleicht ein Mormone), der mir zunächst Vorwürfe macht, weil ich, indem ich im Internet Pornobilder suche oder verbreite, die Leitungen verstopfe. Sodann erklärt er mir, daß ich, wenn ich Sex im Computer suche, ein kranker Mensch sein müsse, der keine Freunde - geschweige denn Freundinnen - habe, ob ich denn keine Verwandten hätte, die mir lieb und teuer seien, ich solle doch bedenken, daß meine Großmutter, wenn sie wüßte, was ich da treibe, an plötzlicher Arterienerweiterung sterben könnte. Am Ende (nachdem er mir nahegelegt hat, mich bußfertig einem Priester, einem Rabbiner oder einem Pastor anzuvertrauen) gibt er mir eine Liste von Adressen (im Internet), bei denen ich moralische Hilfe finden könne, einschließlich der eines auf die Rehabilitation von Pornofreaks wie ich spezialisierten Dienstes (http://www.stolaf.edu/people/bierlein/noxxx/noxxx/html).

Er schließt: Schreiben Sie mir (dmoulding@eng.utah.edu), und ich gebe Ihnen einen Haufen Briefe zu lesen "von Versagern wie Ihnen, die dumm genug waren, um in meine Falle zu gehen".

Es war drei Uhr nachts. Dieser Ansturm von Sex hatte mich erschöpft.

Ich legte mich schlafen und träumte von friedlichen Schafherden, Engeln und sanftmütigen Einhörnern.

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