Die Pflegeversicherung führt bisher nur zur Pflegeverunsicherung. Weil zu viele Probleme ungelöst sind, dürfte die zweite Stufe der Pflegeversicherung eigentlich nicht am 1. Juli in Kraft treten. Zur Zeit geht es in allen Ämtern und Behörden drunter und drüber. Die Leiter der Pflegeheime bekommen die unterschiedlichsten Antworten zum neuen Gesetz und erleben, daß selbst die Spitzenverbände, nur vage informiert, den Praktikern vor Ort wenig helfen können.

Allein die Bonner Politiker verbreiten Optimismus. Ahnungslosigkeit und mangelnde Kenntnis der Praxis sollen offensichtlich durch sicheres Auftreten kompensiert werden. Kritikern wird entgegnet, sie wendeten sich gegen den Sozialfortschritt.

Die Pflegeversicherung ist in Wahrheit nur eine Teilkaskoversicherung. Das hat niemand - wohl aus politischem Kalkül - ausreichend deutlich gemacht. Ein Großteil der Betroffenen glaubt weiterhin, zukünftig würden die gesamten Heimkosten von der Pflegeversicherung abgedeckt. Jeder kann zwar die Grundleistung der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, aber Unterbringung und Verpflegung müssen selbst getragen werden. Das bedeutet, daß derjenige, der nur über eine Minirente verfügt, weiterhin vom Sozialamt alimentiert werden muß, um das "Heimkostenentgelt" bezahlen zu können.

Deshalb wird es zu einer Zweiklassenpflege kommen. Die Begüterten können sich alles leisten, wer über weniger Geld und Vermögen verfügt, wird minimal versorgt. Der Vermögende aber kann sich ergänzende Hilfe dazukaufen.

In Zukunft werden die Betroffenen nicht mehr selbst entscheiden können, ob sie in ein Alten- und Pflegeheim umziehen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) entscheidet darüber, ob jemand sich in einer stationären Einrichtung pflegen lassen darf.

Offensichtlich wollte der Gesetzgeber diese Neuerung. Stand dahinter der Gedanke, daß Menschen sich zu leichtfertig für eine stationäre Unterbringung entscheiden? Das ist Unsinn, denn diejenigen, die bis heute zu uns kamen, haben sich zwar freiwillig entschieden, im Heim zu leben, aber was heißt hier schon "frei" und "willig"? Der Not gehorchend, ist man ins Heim gezogen, weil es zu Hause und ambulant nicht mehr weiterging.