ZEIT-Gespräch mit dem Internetpionier John Perry Barlow

John Perry Barlow, Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation (EFF): "Das Netz ist mein Gehirn"

ZEIT:Herr Barlow , Sie kämpfen dafür, daß im Internet jeder behaupten kann, was er will. Bei allem Verständnis für freie Meinungsäußerung gibt es in Deutschland Bedenken, daß über das Netz der Netze rechtsradikale Ideen verbreitet werden.

Barlow: Die Antwort auf schlechte Reden sind keine Verbote, sondern gute Reden. Und die Antwort auf Haßtiraden sind Liebesbotschaften. Man kontrolliert Ideen nicht mit dem Versuch, ihre Äußerung zu untersagen. Und wenn man sich die Geschichte des Nationalsozialismus ansieht: Die meisten seiner Ideen wurden von den jeweiligen Regierungen verbannt - bis er die Regierung bestimmte. Ich habe eine Reihe von neonazistischen und revisionistischen Diskussionsgruppen im Internet untersucht. Ich finde ihre Argumente nicht im geringsten überzeugend. Aber wenigstens kenne ich sie jetzt.

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John Perry Barlow

ZEIT: Sie sind ja auch gegen so etwas gefeit.

Barlow: Ich glaube ganz einfach an den freien Marktplatz für Ideen. Und je offener wir diese Sozialstruktur halten, desto besser. Kontrollversuche fürchte ich wesentlich mehr als alles, was man vielleicht kontrollieren könnte. So ähnlich wie der Satz von Mutter Teresa : Ich fürchte den Satan nur halb so sehr wie die, die ihn fürchten.

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