Hätten wir die Uraufführung dieses antiken Märchenspiels erlebt, wenn der mühselig formulierte Text nicht geadelt wäre durch den Verfasser-Namen Botho Strauß? "Freunde! Laßt uns den heutigen Tag ganz dem Fest des Apollon widmen! Heute wollen wir tafeln, wie es dem Rang des Gottes gebührt. Und noch etwas, Freunde! Laßt uns heute an nichts anderes denken als an das Festmahl des Gottes." - "Ich kann nicht schlafen, Bett. Ja, sperr deinen gierigen Rachen auf. Zerreiß mich. Ja. Tu es. Zerreiß mich doch, du weiße Bestie. Tausend Nächte, tausendmal der Schlaflosigkeit zum Fraß vorgeworfen. Streckbett, Foltergestell. Dolchstichkasten." - "Telemach. Dir vor Augen steht dein lieber Vater. Halte dich nicht auf mit Staunen und Fragen . . . Hier, wie ich bin, kehre ich nach endlosen Leiden und ewiger Irrfahrt im zwanzigsten Jahr zurück in die Heimat."

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Szenenphoto: Bruno Ganz, Martin Flörchinger

Solches Papier-Rascheln sind wir von Schulfunk-Texten der fünfziger Jahre gewohnt, nicht von der federnden Prosa, den nervös flirrenden Sätzen des seismographischen Beobachters unserer Zeit und Welt, Botho Strauß. Doch die Dramaturgen der Münchner Kammerspiele (und die Lektoren des Münchner Hanser Verlags; 104 Seiten, 25,- Mark) haben zugegriffen - und so erlebt das (nach-)lässig in fünf Kapitel (nicht Akte) unterteilte "Schauspiel nach den Heimkehr-Gesängen der ,Odyssee'" namens "Ithaka" am 19. Juli 1996 in der Regie des Hausherrn Dieter Dorn seine viereinhalb Stunden lang weilende Uraufführung.

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Szenenphoto: Bruno Ganz, Gisela Stein