Ein alter Bekannter

von Bartholomaeus Grill

Bujumbura/Burundi

Es ist der 25. Juli, kurz nach zwei Uhr. Das Staatsradio verstummt.

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An den Kaufläden senken sich rasselnd die Eisengitter. Soldaten brausen durch die leergefegten Straßen. Strategisch wichtige Kreuzungen, der Flughafen, die Zufahrt zur amerikanischen Botschaft werden abgeriegelt. Um vier Uhr sendet der Rundfunk wieder. Eine schmetternde Stimme verkündet, was die Bürger schon ahnen: Burundis Generäle haben die Macht an sich gerissen. Wieder einmal.

Einen Tag später spricht ein alter Bekannter zum Volk: Pierre Buyoya. Der Major war schon einmal, von 1987 bis 1993, Militärherrscher in Burundi. Diesmal hat ihn die Armee als "Interimspräsident" an die Staatsspitze geputscht. Natürlich handele es sich hierbei nicht um einen "gewöhnlichen Staatsstreich", verkündet Buyoya, sondern um die "Rettung eines Volkes in Not". In Zahlen ausgedrückt: Seit dem letzten Putsch im Oktober 1993 kamen im Zwergstaat Burundi vermutlich 100 000 Menschen gewaltsam zu Tode. Opfer von Massakern, welche die Volksgruppen der Tutsi und Hutu aneinander verübten.

Die Minderheit der Tutsi - vierzehn Prozent der sechs Millionen Einwohner - kontrolliert die politische Macht und die wirtschaftlichen Ressourcen. Überdies verfügt sie über ein schlagkräftiges Militär, das sie vor dem Schicksal ihrer Brüder und Schwestern in Ruanda bewahren soll. Im Nachbarland - dort herrscht die gleiche ethnische Gemengelage wie in Burundi - brachte das Regime der Hutu im Sommer 1994 eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu um, ehe es von Tutsi-Rebellen gestürzt wurde. Ihre extremistischen Verwandten in Burundi behaupten, einem neuerlichen Völkermord vorzubeugen - und veranstalten selber Blutbäder, nach der Devise: Bevor die Hutu uns abschlachten, schlachten wir sie ab.

Vor drei Jahren keimte noch Hoffnung, den ethnischen Wahn, der sich in die Köpfe der Tutsi und Hutu gefressen hat, auszutreiben.

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