Ein alter BekannterSeite 2/3
Diese Hoffnung wurde ausgerechnet durch den Berufsoffizier Buyoya genährt. Der damalige Staatschef, ein Tutsi, predigte Versöhnung, berief Hutu-Minister ins Kabinett, ließ freie Wahlen zu. Er verlor und trat freiwillig zurück. Doch die Demokratie hörte vor den Kasernentoren auf. Schon drei Monate später wurde Melchior Ndadaye, der erste gewählte Hutu-Präsident, in den Wirren eines coup d'état ermordet. Sein Nachfolger Cyprien Ntaryamira - auch er ein Hutu - kam bei einem mysteriösen Flugzeugabschuß ums Leben.
Burundi wurde zwar weiterhin von einer Koalitionsregierung geführt, in der Vertreter der Uprona und Frodebu saßen erstere gilt als Partei der Tutsi, letztere wird von Hutu dominiert. Aber die Radikalen in beiden Lagern torpedierten das fragile, wankelmütige Bündnis. Als kürzlich Tutsi-Premierminister Antoine Nduwayo und Hutu-Präsident Sylvestre Ntibantunganya gemeinsam eine afrikanische Eingreiftruppe anforderten, um die Gewaltexzesse im Lande zu beenden, wurden sie als "Hochverräter" gebrandmarkt. Unter dem Druck der Uprona-Hardliner widerrief Nduwayo sein Ansinnen.
Derweil gingen die Massaker an Zivilisten weiter, abwechselnd von Tutsi-Soldaten und Hutu-Rebellen verübt. Die Spirale des Terrors beflügelte die Unversöhnlichen an beiden Fronten, während die Stimmen gemäßigter Politiker systematisch erstickt wurden. Bilanz des Terrors: Seit dem Herbst 1994 sind 24 Abgeordnete, respektive ihre Nachrücker, ermordet worden. Frédéric Bamvuginyumvira hat einen Anschlag überlebt die Kugel kam aus einem Polizeirevolver.
Der Chef der Frodebu-Parlamentsfraktion schwebt in permanenter Lebensgefahr. "Die Machtteilung war immer ein Mythos", erklärte er. Man habe Hutu-Politiker ein bißchen mitregieren lassen, während Tutsi-Militärs einen coup d'état rampant durchgezogen hätten.
- Datum 02.08.1996 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 32/1996
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