Ein alter BekannterSeite 3/3
Vorige Woche wurde dieser "schleichende Staatsstreich" durch einen offiziellen Putsch besiegelt. Die Regierung ist abgesetzt, das Parlament aufgelöst. Präsident Ntibantunganya konnte in die amerikanische Botschaft fliehen, das Schicksal seines Parteikollegen Bamvuginyumvira ist unbekannt.
Der Coup wurde weltweit verurteilt, allerdings blieb der Protest aus Washington merkwürdig verhalten - womöglich, weil Pierre Buyoya, die Galionsfigur der Putschisten, von den Amerikanern alimentiert wurde. Seine Stiftung für Einheit, Frieden und Demokratie kassierte insgesamt 230 000 Mark. Der 46jährige Major traf unmittelbar nach der Machtübernahme den US-Botschafter. Hoffen die Amerikaner, ihr Günstling könne sich zum Retter Burundis aufschwingen? Die Hutu-Opposition hält Buyoya nur für den machtlosen Strohmann einer Militärclique, die den offenen Bürgerkrieg anstrebt. Buyoyas erste Maßnahme, ein Aufruf an die Tutsi, sich freiwillig zum Wehrdienst zu melden, bestätigt eher ihre Sicht.
Eine militärische Intervention von außen lehnt der "Übergangspräsident" entschieden ab. Doch die Gefahr ist gering, daß fremde Mächte bewaffnete Friedensstifter nach Burundi entsenden. Die Uno kann nicht - der Weltorganisation fehlen die finanziellen und logistischen Mittel -, die Amerikaner wollen nicht. Der kleine Staat, tief im Innern Afrikas gelegen, hat weder strategische Bedeutung noch ökonomisches Gewicht. So bleibt es vorerst bei den leeren Drohungen der bettelarmen Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), demnächst dazwischenzuschlagen.
UN-Sonderberichterstatter Paulo Pinheiro warnt vor einer "Tragödie wie in Ruanda" - als wäre Burundi ein Spiegelbild seines Nachbarn.
Tatsache ist, daß sich zwei schwerbewaffnete Kriegsparteien gegenüberstehen, die vorerst ihren Haß an der Zivilbevölkerung austoben. Beide sind Opfer und Täter. Betroffene Gemüter, die nach einer Militärmission rufen, um ein "zweites Ruanda" zu verhindern, müssen sich eine Frage des abgesetzten Premiers Nduwayo gefallen lassen. Er stellte sie mit Blick auf die Appelle von UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali: "Wie will er denn intervenieren? Gegen wen? Die Uno will einen Völkermord verhindern. Wir sagen: Neutralisiert ihn - wenn ihr wißt, wer ihn vorbereitet!"
- Datum 02.08.1996 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 32/1996
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