Daß der Kosmos räumlich eine sphärische Gestalt besitze, bewies im 13. Jahrhundert Roger Bacon mit einem recht bemerkenswerten Argument: Die Rotation der Körper würde sonst ein Vakuum erzeugen.

Moralisch erzeugt das nichtholistische Welt- und Menschenbild des (christlichen) Abendlandes seit Jahrhunderten in immer schnellerer Drehung ein immer größeres Vakuum, denn es kreist einzig um den Menschen. Unter Sittlichkeit versteht es allein die Rücksicht auf den Menschen, und am Menschen sieht es als Träger der Sittlichkeit einzig das Denken, die praktische Vernunft. Beides hängt miteinander zusammen: ökologisch die Isolation des Menschen von der ihn umgebenden Natur und psychologisch die Isolation der Vernunft vom Gefühl.

Die Strukturbedingung einer solchen Ethik ist die Unterdrückung: anthropologisch in der Unterwerfung des Empfindens und des Fühlens unter das Diktat des Denkens, kosmologisch in der "Dienstbarmachung" der Welt durch das wachsende Herrschaftswissen der Neuzeit.

"Wachset und mehret euch", und: "Machet euch untertan", und: "Herrscht über die Tiere" - diese "göttlichen" Worte am Anfang der Bibel (Gen 1,28) sind sicher nicht der Grund, wohl aber der vollkommenste Ausdruck dieser radikalen Anthropozentrik von Religion und Ethik im Abendland. Die pflichtweise Zerstörung der Gefühle ebenso wie die mutwillige Zerstörung der Natur an unserer Seite bedingen einander und treiben sich immer rascher voran: Die verwüstete Welt verinnerlicht sich als Wüstenei der Seele, und die Angst vor dem Hohlraum des eigenen Inneren rückentäußert sich als Vergleichgültigung, als "Neutralisierung" immer größerer Bereiche der Weltwirklichkeit.

Zwei Beispiele: Massentierhaltung und Überbevölkerung mögen zeigen, wo wir heute stehen. Durch die Rinderseuche BSE (Spongiforme Enzephalopathie) ist zu Recht die Ernährung von Rindern mit Schlachtabfällen ins Gerede gekommen, doch ist es offensichtlich die gesamte Art des Umgangs mit "Schlachtvieh", die nicht zu rechtfertigen ist. "Artgerecht"?