Im Test: Lernsoftware für Mathematik

Rechnen bunt und rasant

Computer operieren bekanntlich meisterhaft mit Zahlen. Mathematik wird also das Schulfach sein, in dem sie sich am leichtesten als Lernwerkzeug einsetzen lassen. So sollte man jedenfalls meinen. Es gibt auch bereits allerhand Lernsoftware, die den geplagten Schülern Hilfe verspricht. Aber wie sich zeigt, haben nur wenige Programme dem Schulbuch wirklich etwas voraus.

Da ist zum Beispiel das PC-Training Arithmetik von Klett, gedacht für die fünfte Klasse. Auf einer knallbunten Windows-Oberfläche bietet das Programm Übungen zu den Grundrechenarten, aber es verzichtet dabei fast völlig auf Interaktivität.

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Als Benutzer kann man sich nur anhand einer Musteraufgabe zeigen lassen, wie bei den entsprechenden Aufgaben zu verfahren ist. Dann läßt einen das Programm allein; es gibt keinerlei Unterstützung oder Rückmeldung. Der Schüler errechnet also auf Papier die Lösung, dann gibt er sie ein und erfährt, ob sie richtig oder falsch ist. Wer Probleme mit dem Rechnen hat, könnte genausogut beim guten alten Mathebuch bleiben.

Kaum flexibler benimmt sich Alfons, ein Programm aus dem Schroedel-Verlag. Einfache Übungen stehen etwa für die Grundrechenarten zur Verfügung, und ein kleiner Cartoon-Pinguin begleitet das Kind durch die Paukerei. Die Hilfe, die das Programm dabei leistet, ist allerdings nicht auf die konkrete Aufgabe bezogen: Es zeigt im Notfall nur, wie solche Rechnungen im allgemeinen gelöst werden.

Wer dennoch auf ein falsches Ergebnis kommt, erfährt nicht einmal, was er falsch gemacht hat. Dafür lassen sich die zuständigen Regeln ausdrucken. Anstatt daß also der Computer beim Lernen helfen würde, steht das Kind am Ende mit einem weiteren Druckwerk zusätzlich zum Schulbuch da.

Wer ohne große Belehrungen auskommt und die Mathematik lieber bunt und rasant serviert haben will, ist mit dem Matheblaster von Klett bestens bedient. Ganz ohne Vortäuschung pädagogischer Ambitionen kommt dieses Programm für die Acht- bis Dreizehnjährigen daher. Es ist auch eher ein Computerspiel, nur geht es nicht um sinnloses Ballern, sondern um Denksport. Die Kinder müssen Rechenaufgaben lösen, um weiterzukommen, sie stehen dabei durchaus unter Zeitdruck, scheinen sich aber gut dabei zu unterhalten: Der Matheblaster ist weltweit eines der beliebtesten Lernprogramme.

Ali der Mathemaster, ebenfalls aus dem Hause Klett, besticht dagegen durch Zurückhaltung. Unter der kargen DOS-Oberfläche dieses Programms verbirgt sich allerdings ein Rechengenie. Die Schüler aus den Klassen fünf bis zehn dürfen nach Belieben Aufgaben eingeben. Ali hilft mit den mathematischen Regeln zu jedem einzelnen Lösungsschritt. Gegebenenfalls stellt das Programm sogar die Aufgabe als Funktionsgraphik dar. Wer das Ergebnis nicht selbst ermitteln kann, dem zeigt das Programm auf Wunsch den kompletten Lösungsweg an. Außerdem bietet das Programm viele eigene Aufgaben, vom Bruchrechnen über lineare Gleichungen bis zur Potenzrechnung.

Die Flexibilität von Ali stößt bei der Fehlermeldung an ihre Grenzen (weshalb man den Schüler nicht ohne Einweisung mit diesem Programm allein lassen sollte): Ali ist stur und erwartet unbedingt, daß die Aufgaben schrittweise gelöst werden. Wenn der Schüler einen Schritt überspringt, wird ihm das als Fehler angezeigt. Dasselbe geschieht, wenn er beim Rechnen mit Variablen mit der Groß- und Kleinschreibung der Buchstaben durcheinanderkommt. Eine situationsbezogene Rückmeldung (etwa "Das war wohl ein Tippfehler") gibt es nicht.

Wie intelligente Lernsoftware aussehen kann, zeigt schließlich, wenn auch auf einfacherer Ebene, eine Serie von Übungsprogrammen aus dem Cornelsen-Verlag für die Sekundarstufe I: Sie alle reagieren sehr detailliert auf die Eingaben der Anwender.

Alice etwa bietet Übungen zum Bruchrechnen. Auf einem klar gegliederten, liebevoll gestalteten Bildschirm löst das Kind einfache, aber keinesfalls dumme Aufgaben. Sie reichen von der Erfassung graphisch dargestellter Brüche bis hin zu komplexen Bruchmultiplikationen. Zu jedem Lösungsschritt kann ein Hilfefenster aufgerufen werden, das sich auf die konkrete Aufgabe bezieht und Vorschläge zu ihrer Lösung unterbreitet; Fehler werden sofort und ausführlich kommentiert. Und ein Zufallsgenerator erzeugt bei jedem Durchgang neue Aufgaben, so daß sich das Interesse an Alice nicht so schnell abnutzt.

PC-Training Arithmetik (5. Klasse); Klett-Verlag; 386er oder höher; für Windows; ISBN 3-12-929714-6, 39 Mark

Matheblaster; Klett-Verlag; 386er oder höher; I (1. bis 6. Klasse): CD-ROM (ISBN 3-12-136082-5 oder 3,5" für Windows (ISBN 3-12-136080-9) oder 3,5" für DOS (ISBN 3-12-136081-7); II (3. bis 7. Klasse) CD-ROM (ISBN 3-12-136085-X) oder 3,5" für Windows (ISBN 3-12-136084-1), je 98 Mark;

Ali der Mathemaster (5. bis 10. Klasse); Klett-Verlag; Maus dringend empfohlen, 3,5" für DOS (ISBN 3-12-130350-3), auch für Amiga erhältlich, 98 Mark;

Alice für Windows (4. bis 7. Klasse); Cornelsen-Software; 386er oder höher; 3,5" (ISBN 3-464-90878-0), auch für DOS erhältlich, 78 Mark;

Alfons Lernsoftware (1. bis 6. Klasse); Schroedel-Verlag, CD-ROM, 486er oder höher, 4 MB RAM mind., für Windows 3.1 oder OS/2 Warp, im Handel, 89 Mark;

 
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