Profane Wallfahrten: Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg

AUF DEM WEG

Nicht daß der Weg bereitet ist. Oh, niemals ist der Weg bereitet. Mühsam will er gefunden sein. Mühsam erfragt, schon am Bahnhof, ja, da gehen Sie am besten, also, wie soll ich Ihnen das jetzt erklären? Seltsam, denn eigentlich liegt das Ziel schon in Blickweite, doch da ist nichts zu erkennen, da ragt nichts empor, das sich sofort identifizieren läßt. Und selbst wer schon einmal hier war und des öfteren hier war, muß sich jedesmal von neuem durchfinden, denn die Pforte liegt im Verborgenen.

Auch der neue Eingang. Denn außer dem neuen Eingang gibt es den alten Eingang, und mancher, der den rechten Weg schon gefunden glaubt, steht plötzlich vor der falschen Tür. Aber so geht's hier zu, das ist die erste Prüfung, glücklich der, der sie besteht. Und jener Ort hat viele Türen und Portale. Hat viele Winkel, Treppen, Höfe: gotische Spitzen und der bröckelnde Beton der sechziger Jahre, Deutsches Reich und Postmoderne. Und immer, wo es aufhört, geht es noch ein paar Ecken und Erker weiter, und gehört das eigentlich auch dazu?

Anzeige

Dann aber ist es erreicht, und der Pilger betritt die neue Eingangshalle des Hauses, 1993 geweiht. Doch er sieht nichts. Nichts als eine hohe weiße Leere, und noch immer ist er sich, kommt er das erste Mal an diesen Ort, nicht ganz sicher, ob hier nun wirklich "das größte Museum deutscher Kunst und Kultur" beginnt oder doch eher eine gerade eröffnete Niederlassung der Vereins- und Westbank.

Aber nein, aber ja, er ist da, darf Eintritt lösen, darf seinen Rock ablegen, vom Staub der Straßen bedeckt, und eintreten, sursum corda! - in das Germanische Nationalmuseum zu Nürnberg.

WAS DIE CHRONIK ERZÄHLT

Service