Microsoft und das Internet: Kommt das BillNet?

Den Wettlauf ins Internet hat der mächtige Bill Gates verschlafen. Jetzt ist seine Firma Microsoft wieder da und will das Netz mitsamt allen Standards einfach verschlingen, heißt es. Ob mancher da nicht Phantome sieht?

Es ist wundersam, wie schnell Diktatoren stürzen können. Am schnellsten geht das in der Computerbranche. Ist dort ein Unternehmen zu lange an der Marktherrschaft, braucht es keinen Putsch. Es genügt, daß die Masse der Käufer sich überraschend vom Lagerplatz erhebt, alte Investitionen abschreibt und in neue Gefilde der Technik zieht, weil dort mehr Spaß oder Produktivität locken.

Genau eine solche Wanderung fürchtet Bill Gates, der unumschränkte Herrscher im Reich der PC-Software, seit langem. Und obwohl er immer argwöhnisch alles beäugt hat, was das Regime seiner Firma Microsoft untergraben könnte, war er in Sachen Internet nachlässig. Nun versucht er mit allen Mitteln, die Lage zu wenden. Doch was daherkommt wie eine strategische Neudefinition, kann man am Ende nur als Verschleierungstanz interpretieren.

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Es war vor einem Jahr, da stellte Microsoft das Update seiner wichtigsten Systemsoftware für Personalcomputer fertig, das ominöse Windows 95. Manchen Rechnerfuzzi konnte damals die Irrnis befallen, die Welt spräche von nichts anderem mehr. Bloß, als die frischen Windows-95-Kartons endlich in den Läden lagen, blieb die PR-Walze mit einem Male stehen. Und alle redeten nur mehr übers Internet. Selbst die Zocker an der Wall Street befiel, wie es nur alle Vierteljahrhunderte passiert, der Gründerwahnsinn, die Brokerine Spongiforme Investitis (BSI).

Ebenfalls im August 1995 nämlich gab Netscape , eine kalifornische Firma bar aller Geschichte und ohne wahrnehmbaren Umsatz, erstmals öffentlich Aktien aus. Im selben Moment rieselten Milliarden auf sie nieder. Dabei tat sie kaum etwas anderes, als an Computerbenutzer einen Browser zu verschenken, eine Software also, mit der man durchs World Wide Web im Internet reist.

Was Microsoft denn im Netz solle, hatte Bill Gates seine Leute noch im April 1994 scharf gefragt - dort sei doch alles gratis und daher nichts zu verdienen. Doch nun sah er, daß das Volk sich erhob und daß infolgedessen eines Tages bei anderen die Kassen klingeln würden.

Nach einer Schrecksekunde pflügte Gates sein Unternehmen um und ließ die Netz-Ideen sprießen. Im vergangenen Februar zerschlug er sogar sein Dogma, man brauche zu alldem keine neue Struktur innerhalb von Microsoft. Heute umfaßt die Internet-Abteilung unter Brad Silverberg, der zuvor Windows 95 auf den Markt jagte, 2500 Leute (von weltweit 20 000 Angestellten). Sie arbeiten dem Vernehmen nach Tag und Nacht an allem, was man fürs Internet überhaupt programmieren kann.

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