Zum ersten Mal begegnete ich dem Programm Eliza Anfang der achtziger Jahre. Ein junger Mann saß in seinem Büro vor einem Computer, tippte kurze Sätze ein und kicherte immer wieder. Er unterhielt sich mit dem Computer auf englisch über seine Probleme, nahm die Sache aber nicht ernst. Den größten Spaß hatte er dabei, das Programm mit obszönen Flüchen zu beleidigen - es antwortete dann stets mit einem geduldig zurechtweisenden: "My, my, such words . . ."

Eliza wurde von Joseph Weizenbaum von 1964 bis 1966 entwickelt. Weizenbaum arbeitete am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Er wollte versuchshalber ein Programm schaffen, mit dem man eine Konversation führen konnte. Er benannte es nach der Heldin aus George Bernard Shaws "Pygmalion" - schließlich wurde der guten Eliza in dem Stück beigebracht, immer besser zu sprechen.

Weizenbaums Überlegung war, daß das Entscheidende beim Gespräch der Kontext ist, und so sollte auch Eliza immer eine grobe Ahnung haben, worum es ihrem Gesprächspartner geht. Er baute ihr zwei "Bänder" ein. Das erste Band analysierte die Sätze, die das Gegenüber eintippte, das zweite enthielt Regeln für die Antwortsätze. Man mußte es nur vorab mit Informationen und Anweisungen etwa übers Eierkochen füttern, und schon konnte Eliza dazu etwas mitteilen.

Für seine Modell-Eliza wählte Weizenbaum ausgerechnet die Rolle eines Psychotherapeuten, genauer, eines klientenzentrierten Gesprächstherapeuten in der Schule von Carl Rogers. Seine Technik ist per Software recht einfach zu imitieren, denn sie besteht großteils darin, einen Menschen zum Sprechen zu bringen, indem seine Äußerungen gespiegelt, also durch Umformulierungen als Frage wiederholt werden.

Eliza hatte sofort enormen Erfolg (manchmal trat sie auch unter dem Namen Doctor auf). Das bestürzte Weizenbaum außerordentlich, und er schrieb um diese Erfahrung herum sein 1976 erschienenes Buch "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft", das seinen Ruf als Ketzer der Computerforschung begründete.

Eliza war für ihn nur eine Spielerei im Rahmen seiner Forschung gewesen. Die Menschen um ihn herum aber nahmen Eliza als Dialogpartner ernst und vertrauten ihr geheime Wünsche, Probleme, Obsessionen an. Selbst seine Sekretärin führte intensive intime Gespräche mit Eliza, obwohl sie genau wußte, welch primitives Werk ihr antwortete. Als dann auch noch Kollegen aus der Psychologie ernsthaft daran dachten, vollautomatische Berater auf der Basis von Eliza zu programmieren, regten sich bei Weizenbaum, so sagt er, ernsthafte Zweifel an der menschlichen Intelligenz.