"Es giebt eine Sucht, viele Dinge leicht erklärlich zu finden, eben so wie es eine Sucht giebt, viele Dinge unerklärlich zu finden - und man fällt leicht von einem Extrem aufs andere." (Karl Philipp Moritz, 1756 bis 1793)

Das erste Mal fiel mir Susan Blackmore auf, als sie eine Glühbirne aß. Das war bei einer Veranstaltung in Wuppertal, in der ein "Antiguru" aus Indien auftrat, einer jener Aufklärer, die guruübliche Wunderdinge vollführen und anschließend dem Publikum die Tricks verraten. Dieser Entzauberer also holte eine Glühbirne hervor, versprach, sie zu verspeisen, und fragte: "Wer möchte sich davon überzeugen, daß sie echt ist?" Prompt sprang eine Frau auf die Bühne, inspizierte das Ding und verkündete: "Wenn Sie Glas essen können, dann kann ich das auch."

Sodann verschlang Susan Blackmore, angeleitet vom Antiguru, eine halbe Banane, zerkaute danach ein paar dünne Scherben, bis das Glas pulverisiert war, schluckte es mit etwas Wasser, verputzte den Rest der Banane und trank viel Wasser. Schäden trug sie nicht davon (zur Nachahmung sei dieser Trick dennoch nicht empfohlen).

So ist sie. Die britische Psychologin will alles selbst erfahren, mit eigenen Augen und Ohren und Mund und Nase und Händen prüfen, will Wissen und Gewißheit und schreckt noch vor der schwierigsten aller Fragen nicht zurück: "Wer bin ich?" Es ist die Frage ihres Lebens.

Diese Frage führt der Psychologie Semester für Semester neue Studenten zu. Auch der Teenager Susan Blackmore belegte 1970 in Oxford aus diesem Grund "PPP" (Physiologie, Psychologie, Philosophie). An allem interessiert, stieß sie auf die Society for Psychical Research (SPR), die parapsychologische Gesellschaft. Genauer gesagt: auf das einzige SPR-Mitglied in Oxford, einen jungen Mann, mit dem die extrovertierte Susan binnen kurzem eine Basisgruppe von einigen hundert Mitgliedern aufbaute.

Los ging's: mit Pendeln, Tarotkarten, Tischrücken, Geistersuche auf Friedhöfen, psychoaktiven Drogen, einem Hippietrip zum Hindukusch. In diese Zeit fällt Susan Blackmores erstes außerkörperliches Erlebnis (out-of-body experience, OBE). Sie fühlte sich vollkommen wach, aber außerhalb ihres Körpers und fähig, frei überallhin zu fliegen. Diese Erfahrung wirkte so wenig traumhaft, so real, daß die Psychologiestudentin an ein paranormales Geistererlebnis glaubte.