Plötzlich zerfällt der Film vor unseren Ohren. Eben noch das unvermeidliche Synchrondeutsch, im nächsten Moment singt diese Frau - und wir sind sicher: Das ist die wahre Stimme von Rita Hayworth.

"Sie konnte singen, tanzen und spielen", bescheinigen ihr die Filmfachbücher noch heute - in einem Punkt Illusion, eine wunderschöne.

"Dubbed by" notiert die Doppel-CD "Rita Hayworth" und nennt akribisch Namen um Namen ihrer Ghostsinger: Nan Wynn, Martha Mears, Anita Ellis, Jo Ann Greer Legend 6002/6003, Bezug über FMS, Hamburg).

Doch wie Kinder wollen wir's gar nicht wissen. Es ist ihre Stimme im Duett mit Victor Mature oder Gene Kelly oder Fred Astaire, ihre Melodie in "Gilda", wenn sie frühmorgens zur Gitarre von "Mame" erzählt, ihr Unterton, wenn sie - zip - enthüllt, was eine Tänzerin so denkt - zip -, wenn sie sich langsam auszieht ("I was reading Schopenhauer last night - zip - I think Schopenhauer was right").

Ob Technicolor-Songs mit jenem Witz der Dialoge Pal Joes oder die Orchesterbuketts der vierziger Jahre mit den knalligen Riffs und samtenen Streichern - die Kompositionen sind nach ihren Bewegungen choreographiert, mit Verzögerungen, Drehungen und diesem Schweben, das nur in einem Kuß oder hinter dem sich schließenden Vorhang enden kann. Rita Hayworth bat ihre Gesang-Doubles ins Studio und tanzte ihnen später barfuß vor, damit die fremde Stimme sich den eigenen Lippen nähern konnte. Der richtige Name der Love Goddess, die später zur tragischen Figur wurde, war Margarita Carmen Cansino.