Portrait von RTL-Chef Helmut Thoma: ein Mann im Glück
Warum nur Mertes? Warum ausgerechnet Heinz Klaus Mertes, diesen stockkonservativen Mann, der auf Sat.1 - und zuvor beim Bayerischen Rundfunk - einen der letzten lupenreinen Ideologen gegeben hatte.
RTL-Chef Helmut Thoma lacht, wie nur er lachen kann. "Genau darum. Der Mertes polarisiert." Und darum paßt er in den Augen seines neuen Chefs so gut in die für Oktober avisierte Politshow "Crossfire". Ihm gegenüber wird Peter Glotz sitzen, SPD. Der ist natürlich nicht ein so scharfer Hund. "Aber wir haben keinen andern gefunden." Kann man das so schreiben? "Warum nicht?" Helmut Thoma ist in seinem Element.
Der 57jährige, dessen Beruf es ist, die Massen zu unterhalten, ist auch im Gespräch durchaus unterhaltsam und ausgestattet mit einer freundlichen Leichtigkeit, die seiner Wiener Provenienz zu danken sein mag, gewiß auch dem Erfolg, der ihm seit Jahren anhaftet.
Das ist nun allerdings ein Erfolg, der nur an Thomas Kriterien zu messen ist. Andere Leute haben andere Kriterien, nicht zuletzt die, die schreiben. So kommt es, daß von den Höhen der Kultur viel Herablassendes über ihn zu lesen ist - und nicht selten in Klischees gegossen. Da rauscht denn der "Quotenkönig" durch die Blätter, "der Mann, der im Fernsehen Charakter durch Kaufkraft ersetzt" (Roger Willemsen), der "in die Macht Verliebte", der Herr des "Schweine-Fernsehens", der Sprücheklopfer.
Nun glaubt zwar Thoma - Achtung: Spruch -, die Schar seiner Kritiker sei auf "ein tapferes Resthäufchen" zusammengeschnurrt; aber so ganz unbeeindruckt lassen ihn die Tapferen nicht. Immer wieder (und auch heute) sagt er, "Kultur ist nicht das Hauptziel" der Unterhaltungsindustrie, und er liefert nun wirklich den besten Beweis dafür: sein RTL. Übrigens tun es ihm die anderen Mitspieler auf diesem Markt gleich, nur nicht so erfolgreich in Quote und Werbe-Mark.
Einer aber ist ihm nun zu weit gegangen, der ZDF-Moderator Roger Willemsen im österreichischen Nachrichtenmagazin profil. Zu spüren ist das an der für Thoma ungewöhnlich verächtlichen Reaktion ("Dem hören nur noch schlafgestörte Intellektuelle zu") und an seiner heftigen Replik auf ein dort aufgespießtes Diktum von Pier Paolo Pasolini: "Die wahre Antidemokratie ist die Massenkultur."
- Datum 06.09.1996 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1996
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