Eines haben die Geldanleger, mit denen Dirk Heitmann geschäftlich zu tun hat, gemeinsam: "Die sind ausnahmslos sauer auf ihre Bank." Heitmann ist Mitinhaber des Hamburger Geldanlage-Centrums, eines der bundesweit gut vierzig unabhängigen Anlagevermittler, die sich auf Investmentfonds spezialisiert haben.Schlechte Beratung am Bankschalter und eine wenig kundenfreundliche Gebührenpolitik der etablierten Institute treiben Anbietern wie Heitmann die Kundschaft zu. Auch wenn die Machenschaften windiger Anlagebetrüger und Pannen wie jüngst bei der Deutsche-Bank-Tochter Morgan Grenfell dem Ansehen der Branche nicht gerade nützen - das Interesse der deutschen Anleger an Investmentfonds wächst.Allein die inländischen Publikumsfonds verfügen inzwischen über ein Vermögen von mehr als 250 Milliarden Mark. Attraktiv ist die Anlageform vor allem für einen Kundenkreis, dem herkömmliche Sparzertifikate zu bieder erscheinen.Der Kauf von Anteilen am Fonds-Vermögen bietet die Chance, auch schon mit kleinen Beträgen in ein breites Spektrum von Aktien und Rentenpapieren zu investieren.So übersichtlich wie noch vor wenigen Jahren ist aber auch die Fonds-Landschaft heute nicht mehr: Noch 1990 zählte der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften gerade einmal 347 Publikumsfonds, mittlerweile sind es fast doppelt so viele.Eine fachkundige, unvoreingenommene Beratung ist daher immer wichtiger.Kenner sagen den meist als "Investment-Shops" oder "Fonds-Boutiquen" firmierenden Dienstleistern denn auch eine sichere Zukunft voraus. Was die Unabhängigen vor allem von den Banken unterscheidet: Ihr Service deckt eine breite Palette von Fonds unterschiedlicher Investment-Gesellschaften ab.Wer hingegen an seinem Bankschalter Zertifikate von einem Konkurrenzunternehmen kaufen will, wird - neben erheblichen Überredungskünsten - oftmals noch Extragebühren aufwenden müssen, etwa 0,5 Prozent.Dazu kommt, versteht sich, der ohnehin übliche Ausgabeaufschlag von vier oder fünf Prozent der Anlagesumme. Im Gegensatz zu den Banken führen die Fonds-Shops für ihre Kunden kein Depot der Anlagebetrag wird direkt an die Fonds-Gesellschaft überwiesen.Was auf den ersten Blick wie ein Verzicht auf Service wirken mag, ist für die Anleger in der Praxis eine wertvolle Sicherung. Denn solange sich der Kunde Fonds von renommierten Gesellschaften vermitteln läßt, ist die Gefahr, daß der Vermittler das Geld heimlich in die eigene Tasche wirtschaftet, kaum gegeben. Den etablierten deutschen Banken sind die unabhängigen Vermittler ein Dorn im Auge.Sie würden am liebsten allein und ausschließlich die Produkte ihrer eigenen Investment-Töchter vertreiben - das sind etwa die DWS der Deutschen Bank, DIT für die Dresdner, Adig für die Commerzbank oder Deka für die Sparkassen.Die Berater der Fonds-Shops haben dagegen wenig Anlaß, die Ertragschancen eines schlecht laufenden Fonds zu beschönigen - sie empfehlen einfach das bessere Produkt eines anderen Anb ieters. Der Markt ist in Bewegung, und die kleinen Vermittler haben ihren Anteil daran.Immer weniger verfängt die Strategie der Banktöchter, Unabhängigen den Zugang zum Geschäft mit ihren Zertifikaten möglichst schwerzumachen, damit kein Dritter an Gebühren und Provisionen verdient.Das beliebte Instrument: Die Investment-Gesellschaften fordern von Vermittlern ihrer Fonds jährliche Mindestvolumina beim Neugeschäft - für eine Großbank kein Problem, für den Fonds-Shop an der Straßenecke indes eine illusori sche Größenordnung.Allerdings haben sich inzwischen einige Dienstleister für Fonds-Shops in der Position von Zwischenhändlern fest etabliert, die mit der gebündelten Nachfrage die geforderten Mindestsummen erreichen. Die große Mehrheit der Anleger schenkt noch immer in allen Geldfragen, vom Girokonto über den Bausparkredit bis zur Investment-Entscheidung, dem Angestellten hinter dem Bankschalter das größte Vertrauen. Der Anteil der Unabhängigen am Fonds-Geschäft macht nach Expertenschätzungen in Deutschland bisher kaum mehr als ein Prozent aus. Vertrauen ist in dem Fall teuer.So wird, wer sich am Schalter beraten läßt, seine Fonds-Anteile allzu oft in einem Depot bei der Bank verwahren lassen - anstatt bei der Investment-Gesellschaft selbst.Eine Entscheidung, deren Folgen vielen Anlegern bestenfalls dann bewußt werden, wenn sie nach einiger Zeit umdisponieren wollen, weil Fonds mit anderen Anlageschwerpunkten bessere Ertragschancen versprechen.Wird das Depot nämlich direkt bei der Investment-Gesellschaft geführt, dann ist es möglic h, gegen eine geringe Gebühr (zumeist 0,5 Prozent) von einem Fonds zu einem anderen Fonds derselben Gesellschaft zu wechseln.Beim Bankdepot wird dagegen mit dem "Switching" von Fonds zu Fonds jedesmal wieder der volle Ausgabeaufschlag fällig die Di fferenz kassiert die Bank. Und wer in seinem Bankdepot auch Anteile fremder Fonds verwahrt, bekommt den Gebührenärger oft gleich doppelt zu spüren: Die Depotgebühren werden gemeinhin nach Anzahl der verwahrten Fonds-Anteile berechnet, beispielsweise sechs Pfennig pro Stück.Nun sind gerade amerikanische Fonds meist viel kleiner gestückelt als deutsche - tausend Mark werden beispielsweise auf vierzig statt auf vier Anteile aufgeteilt. Prompt treiben sie die Depotrechnung deutscher Bankkunden unfreiwillig stark in die Höhe.Für die Bank ist das ein schönes Scheinargument, vom Kauf der Konkurrenzprodukte abzuraten. Zwar kann auch der Bankkunde ebenso wie sein Kollege im Fonds-Shop verlangen, daß die Investment-Gesellschaft selbst das Depot führt. Doch wer das Anlagegeld auf die Investment-Töchter mehrerer Konkurrenzinstitute verteilt, kann bei der Beratung am Schalter der eigenen Bank in der Regel wohl nicht mehr viel erwarten.Ein unabhängiger Vermittler wird demgegenüber die Anlagewünsche seines Kunden auch dann leidenschaftslos beurteilen, wenn dieser fünf Depots bei fünf verschiedenen Gesellschaften unterhält.Obendrein sind die kleinen Vermittler beim erstmaligen Kauf oft zu Rabatten beim Ausgabeaufschlag bereit. Eine Garantie gegen falsche Beratung gibt es im Fonds-Shop ebensowenig wie bei der Bank.Wer als mäßig erfahrener Geldanleger für eine fünfstellige Summe gleich ein Dutzend Fonds, darunter riskante Termingeschäfte, empfohlen bekommt, sollte skeptisch werden.Und womöglich ist mancher Berater gar nicht so unabhängig, wie er sich gibt.Denn das Bestreben der Investment-Gesellschaften, die "Unabhängigen" für sich einzunehmen, kann gerade für Kleinanbieter zur großen Versuchung werden. Doch der Anteil der schwarzen Schafe in der Branche ist gering, ergab jüngst eine Untersuchung der Stiftung Warentest.Fazit der Tester: Im Vergleich mit den Banken habe die Arbeit der Fonds- Shops im Schnitt sogar deutlich höhere Qualität. Nach einem wilden Gründungsboom im Jahre 1993 hat sich inzwischen ganz offenbar die Spreu vom Weizen getrennt."Wer seine Kunden nicht längerfristig zufriedenstellt", glaubt Fonds-Vermittler Heitmann, "der hat auf Dauer am Markt keine Chance."