Unterwegs in zwei WeltenSeite 4/4

Vielen Kindern war am Anfang nicht klar, daß es einen Unterschied gibt zwischen Hörenden und Gehörlosen. Olaf Tischmann sagte ihnen gleich in der ersten Stunde: Ihr seid gehörlos. Heute fragen die Kinder Besucher, die zahlreich in die Klassen kommen, zuallererst, ob sie hörend oder gehörlos sind. Sie nehmen dann den Fingerabdruck des Besuchers auf ein Blatt Papier - Gehörlose auf die eine Seite, Hörende auf die andere. "Wir Gehörlosen müssen uns klar sein, daß wir zuerst in einer eigenen Welt leben - dann ist es auch einfacher, sich in zwei Welten zu bewegen."

Nach der Zeit in Österreich, die ihm hierzulande als Referendariat anerkannt wird, will Olaf Tischmann wiederkommen. Der Lehrer hofft, daß er dann nicht der einzige an deutschen Schulen sein wird, der in der Gebärdensprache unterrichtet. Aber ganz allein als tauber Akademiker in Hamburg ist er jetzt schon nicht. Vor drei Jahren absolvierte mit Angela Staab die erste Hamburger Gehörlose das Studium der Sozialpädagogik. Ihr folgten andere.

"Wir brauchen eben mehr Zeit", sagt Olaf Tischmann, "weil wir in einer Gesellschaft leben, in der die leisen Sprachen unter den lauten Sprachen nicht gleich gehört werden. Aber das ändert sich jetzt, zum Glück." Er hält die Daumenkuppe der einen Hand auf den Daumennagel der anderen Hand und reißt beide Daumen auseinander.

Dabei schaut er so, als ob er das Ticket für die nächste Reise nach Kalifornien in der Tasche hätte.

 
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