WASHINGTON. - Vor dreizehn Jahren wurde ich zu einem geheimen Treffen im State Department gerufen, um eine Fernsehproduktion zu besprechen. Damals war ich Direktor des weltweiten Fernsehprogramms der amerikanischen Informationsbehörde U. S. Information Agency.

In einem kleinen Konferenzraum, dessen Tür wie ein Safe mit einem schweren Kombinationsschloß gesichert war, wurde mir ein Tonband ausgehändigt. Ich sollte aus dem Inhalt ein Video herstellen, das im UN-Sicherheitsrat vorgeführt werden sollte.

Es ging um Flug 007 der Korean Airlines. Die Maschine war am 31. August 1983 auf dem Weg nach Seoul mit 269 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord über eine sowjetische Flugabwehrraketenbasis geflogen und von Major Gennadij Osipowitsch mit seinem Suchoj-15-Jagdflieger abgeschossen worden. Jede Minute dieser Verfolgungsjagd und des Abschusses war von amerikanischen Aufklärungsstationen nahe der sowjetischen Grenze beobachtet worden.

Wir machten aus dem Band einen raffinierten Kurzfilm, der am 6. September dem Sicherheitsrat vorgeführt und anschließend per Satellit weltweit ausgestrahlt wurde. Damit begann eine neue Ära der populistischen Diplomatie. Das Video war eindringlich, überzeugend - und eine Fälschung.

Unser Ausgangsmaterial waren die Mitschnitte der Gespräche zwischen den Fluglotsen und den sowjetischen Piloten während der Verfolgungsjagd.

Wir fügten dem russischen Original-Ton eine englische Übersetzung hinzu und ergänzten ihn mit einer Chronologie des Geschehens sowie einer Karte. Unsere These lautete: Die Sowjets hatten bewußt und absichtlich ein Passagierflugzeug abgeschossen. Dabei hatten sie weder Warnschüsse abgegeben noch das Flugzeug zum Landen aufgefordert.

Der Film sollte - wie der damalige Außenminister George Shultz an Präsident Ronald Reagan schrieb - das Herzstück einer massiven öffentlichen Kampagne "zur Ausbeutung des Vorfalls" werden. Die Absicht dahinter war, den Abschuß mit dem Streit um die atomare Abrüstung zu verknüpfen. Der Film sollte die Glaubwürdigkeit der Sowjets in Frage stellen, um so die Bemühungen des Kreml zu untergraben, die europäischen Nato-Partner von der atomaren Nachrüstung abzubringen.