Ein Vergleich der gegenwärtigen Krise mit dem absoluten Elend während der Weltwirtschaftskrise ist pure Schwarzmalerei. Betrachtet man aber die relative Deklassierung von Millionen Menschen durch die derzeitige Massenarbeitslosigkeit, die steigende Armut und die sinkenden Entfaltungschancen junger Menschen, so ist der Vergleich nicht mehr so abwegig. Am größten ist freilich folgende Ähnlichkeit: Die Logik - nicht das Tempo -, nach der sich die gegenwärtige Krise entwickelt hat und verschärfen wird, entspricht jener der dreißiger Jahre. Dies ergibt sich aus dem Zusammenwirken der damals wie heute wirksamen Krisenkomponenten:

Die Dominanz der (neo-)liberalen Doktrinen: Die wichtigsten Gründe für Arbeitslosigkeit sind zu hohe Löhne und Arbeitslosengelder, der wichtigste Grund für die Staatsverschuldung ist der ausufernde Sozialstaat, das einzige Ziel der Wirtschaftspolitik ist die Erhaltung des Geldwertes.

Die daraus abgeleitete Sparpolitik zu Lasten der sozial Schwachen, aber auch zu Lasten der Unternehmen, insbesondere durch Senkung der öffentlichen Investitionen.

Die Verlagerung des wirtschaftspolitischen Einflusses von den Regierungen zu den Notenbanken als Folge des Paradigmenwechsels vom Keynesianismus zum Neoliberalismus oder Monetarismus.

Die deutlich über der Wachstumsrate liegenden Zinssätze, primär eine "Langzeitfolge" des Kurswechsels der wichtigsten Notenbanken zu einer monetaristischen Politik Ende der siebziger Jahre.

Die zunehmenden Konflikte zwischen Unternehmerverbänden und Gewerkschaften, also der Übergang zu nichtkooperativen Strategien.

Die Instabilität der Finanzmärkte, vor allem bei Zinssätzen und Wechselkursen, und damit die erhöhte Unsicherheit für Investitionen und Handel.