Es war am anderen Ende der Welt. Mitten in der Karibik, auf der Insel Grenada. Die Hauptstadt von Grenada heißt St. George's, und "Rudolf's" ist das bekannteste Restaurant von St. George's. Bei "Rudolf's" also saßen wir und plauderten mit dem Chef des Hauses: Rudolf Hoschtialek, 54, gelernter Metzger, gelernter Koch. Österreicher. Steirer, um genau zu sein.

Vor 27 Jahren war er nach Grenada gekommen und hatte sein Restaurant eröffnet. Als die GIs nach der US-Invasion 1983 entdeckten, daß es bei "Rudolf's" Wiener Schnitzel gab, lief der Laden am allerbesten.

Wir sprechen über Grenada, wir sprechen über Österreich. "Wie heißt der Bundespräsident jetzt?" will Rudolf wissen. "Kleinstil oder so?" Irgendwie kommt die Rede auf Kastanien. "Kastanien, Kastanien? Sind des die chestnuts?" Dann sprechen wir über die Steiermark. Ob er sich noch an die steirischen Spezialitäten erinnern könne: den Sterz, den Schilcher, das Kürbiskernöl?

Da beginnen die Augen des Rudolf Hoschtialek zu glänzen: "A Kernöl!" sagt er. "A Erdäpflsalat mit an Kernöl! Ja, manchmal bringt ma aner ans mit. Aber des kommt mir nix ins Restaurant. Des ess' i immer selber."

Eine lange, versonnene Pause. Ein Blick hinaus in die karibische Nacht. Und noch einmal: "A Kernöl!"

Kürbiskernöl ist dickflüssig, schwarzbraun und macht häßliche grüne Flecken. Auf dem Salat sieht es aus wie Schmieröl. Ein Liter Kürbiskernöl ist nicht unter 25 Mark zu bekommen (direkt ab Hof), und außerhalb der Steiermark kostet es mindestens 60 Mark. Es ist lichtempfindlich und nur begrenzt haltbar, zum Backen und Braten ist es nicht geeignet.