Das Instrument sieht aus, als hätte das Raumschiff Orion es einst mitgebracht von einem fernen Sternennebel. Ein Kästchen auf dünnen Beinen, eine Art Stehpult, aus dem zwei Antennen ragen. Was wird da wohl für eine Musik herauskommen? Wie setzt man das Ding überhaupt in Gang? Die wenigen Menschen, die es je im Konzert erlebten, berichten, daß die Musiker einfach nur in der Luft herumfuchteln, und sein Klang sei zum Sterben schön, ein Singen und Wimmern wie von verlorenen Seelen.

Schwer begreiflich, dieses Theremin . Es war das erste elektronische Musikinstrument, und es ist noch heute das eigenartigste. Ein schwaches elektrisches Feld, heißt es, wabert um die Antennen, und wer hineingreift, macht auch schon Musik: Die Töne steigen auf und ab, werden lauter und leiser, je nach dem Abstand der Hand zum Metall.

Der russische Tüftler Lew Sergejewitsch Thermen, im Nebenberuf gelegentlich Geheimagent der Sowjetmacht, hat das Theremin 1920 fertiggestellt. In diesem November wäre Thermen hundert Jahre alt geworden, und seine Hinterlassenschaft ist in gewisser Weise noch immer ein Rätsel: Wer das Kästchen aufschraubt, findet im Inneren nur ein paar Radioröhren, Spulen und Kondensatoren. Aber die Konstruktion ist so verblüffend, daß man heute noch nicht so recht weiß, was man alles anfangen könnte damit.

Sicher scheint nur, es werden wohl Wunderdinge sein. Neuerdings kursieren viele Ideen: Computerkonstrukteure überlegen, ob diese Art des freihändigen Steuerns nicht auch bestens geeignet sei, den Rechner zu dirigieren oder am Bildschirm in großen Datenhaufen herumzuwühlen. Technomusiker wiederum setzen das Theremin für ihre Klangbasteleien ein, weil es so außerirdische Effekte erlaubt. Und in den USA sitzt einer, der mit diesem Instrument der Musik einen neuen Weg weisen will: Robert Moog .

Einmal ist es ihm schon gelungen. In den sechziger Jahren hat Moog den Synthesizer entwickelt, der heute fast alle Sparten der Musikproduktion beherrscht. Sein Schöpfer aber mag damit nichts mehr zu tun haben; er hat sich dem Theremin verschrieben. In Asheville, North Carolina, baut seine Firma Big Briar unentwegt diese sonderbaren Instrumente.

Mehrere tausend Theremine sind schon in alle Welt verkauft; der Bedarf steigt. Nun hat Moog auch noch einen billigen Bausatz auf den Markt gebracht. In Deutschland vertreibt ihn das befreundete Musikhaus Thomann im fränkischen Treppendorf für 479 Mark.