Kommet, ihr Männer!

von Katja Thimm

Meine Oma nannte ihre Waschmaschine Minna. Das Verhältnis der beiden war fast familiär: Wusch Minna porentief rein, konnte es passieren, daß Oma sie gefühlvoll tätschelte. "Meine Minna" - mit mehr Wärme hätte sie von ihrer besten Freundin nicht sprechen können. Streikte die Maschine allerdings und mußte Oma einen Monteur vom Kundendienst rufen, dann litt die Intimität zwischen beiden gewaltig. Ein Mann stand zwischen ihnen, der zu allem Überfluß meist plump und schmutzig war.

Ein Fremdkörper, den Oma auch noch bezahlen mußte. War er wieder weg, war alles wieder gut: Minna schenkte Oma strahlend weiße Wäsche und Oma der Minna ein liebevolles Lob. Eine für die andere.

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Ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Woche für Woche.

Heute heißen Waschmaschinen nicht mehr Minna und auch nicht mehr Waschmaschine. Sondern Waschvollautomat. Sie brauchen auch keinen Blaumann mehr in kritischen Situationen. Der moderne Waschvollautomat ist "wartungsfrei". Und "intelligent". Eine "Durchblick-Maschine", die mitdenkt.

Sagt jedenfalls der Katalog. Und trötet auf jeder Seite: Schenkt Intelligenz und Cleverness zum Christfest, schenkt Hausgeräte!

Daß Minna, Mixer und Toaster das Leben leichter machen, das hat schon meine Oma zugegeben. Schweren Herzens übrigens, denn: je unangenehmer die Hausarbeit, desto wertvoller die Hausfrau. Aber einen Mixer, der kraft eigener Intelligenz in Omas Leben geholfen hätte - den hätte sie nicht zugelassen. Einen "Handmixer mit Auto Power Control für ermüdungsfreieres Arbeiten", "Moment- und Turbostufe" oder "SoftSpeed Control-Antispritzfunktion" - irgendwie hätte sie das als Kompetenzanmaßung empfunden. Wann es spritzte, wollte Oma selbst entscheiden.

Es stellt sich die Frage, ob die Hausgeräteindustrie mit der Intelligenz ihrer Produkte wirbt, weil sich das Selbstverständnis der Frauen geändert hat: statt schwer schuftender Hausfrau jetzt marktgerechte Managerin. Wenn Fax und Phone ohn' Ende klingeln und der Laptop abstürzt, muß wenigstens der Mixer auto-powern und selbständig rühren. Dann freut sich die Frau, always busy, busy. Da gibt sie auch mal Verantwortung ab. So könnte es sein.

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  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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