Südafrika Abschied

Mandela ordnet sein politisches Erbe

Afrikas Staatschefs danken in der Regel nicht freiwillig ab. Sie werden entweder gewaltsam gestürzt oder sterben im Amt. Nelson Mandela wird als rühmliche Ausnahme in die Geschichte eingehen: Vorige Woche legte er den Vorsitz des African National Congress (ANC) nieder, in achtzehn Monaten wird er als Präsident Südafrikas zurücktreten. Sechs Stunden dauerte seine Abschiedsrede vor dem fünfzigsten Parteitag in Mafikeng, ehe ihn die dreitausend Delegierten mit tänzerischen Ovationen entließen. Der große alte Mann, der sein Land aus der Apartheid in die Demokratie geführt und Opfer und Täter versöhnt hat, geht.

Außergewöhnliche Führer hinterlassen stets ein Vakuum, in dem Zukunftsängste aufkeimen: Wer übernimmt das Zepter? Wird der Nachfolger der Aufgabe gewachsen sein? Die erste Frage war schon vor Mafikeng beantwortet: Thabo Mbeki, auf dem ANC-Kongreß zum neuen Parteichef gewählt, soll 1999 auch Staatspräsident werden. Der 55jährige bürgt für Kontinuität, denn er zieht schon heute die Fäden in Partei und Regierung. Die zweite Frage muß vorerst offen bleiben. Wird es Mbeki gelingen, die zentrifugalen Kräfte in den Reihen des ANC und seiner Verbündeten zu bändigen? In Mafikeng wurde Einheit zelebriert. Doch hinter den Kulissen lassen sich die ideologischen Risse nicht mehr verbergen. Da streiten sich Technokraten und Traditionalisten, Reformer und Radikale. Da stimmen junge, forsche Neoliberale das Requiem auf den Sozialismus an, während stramme Kommunisten den Ausverkauf der Revolution geißeln.

Das Programm dieser Revolution lautet: erst politische Freiheit, dann soziale Gerechtigkeit. Unter Nelson Mandela wurde die erste Etappe zurückgelegt vor Thabo Mbeki liegt die zweite, schwierigere Wegstrecke. Der Kronprinz weiß, daß Demokratie allein nicht satt macht und die vollmundigen Versprechen - Jobs, Häuser, Bildung, ein besseres Leben für alle - eingelöst werden müssen, um das Projekt der Versöhnung fortzuführen. Der smarte Mbeki ist kein Mann des Volkes er verfügt nicht über die moralische Autorität Mandelas. Aber selbst seine Gegner bescheinigen dem erfahrenen Ökonomen das Rüstzeug zum Staatschef. Und er hat eine Vision: die Renaissance Afrikas.

Immerhin bleibt Thabo Mbeki eine Erblast erspart: Winnie Madikizela-Mandela, die zwielichtige Exfrau des Präsidenten, hat ihre Kandidatur für den ANC-Vorstand zurückgezogen. Es wäre kein gutes Omen für den Aufbruch ins 21. Jahrhundert gewesen, wenn an der Parteispitze eine verurteilte Straftäterin gestanden hätte.

 
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