Bloß kein Jazz!

Ein Gespräch mit Joachim-Ernst Berendt über Musik und Widerstand

ZEIT: War es nicht ein Triumph, als der Jazz zurück nach Deutschland kam? Ein Triumph für Sie?

Joachim-Ernst Berendt: Wenn ich an die Adenauerzeit denke, dann empfinde ich immer noch Enttäuschung, auch Bitterkeit. Wir waren aus dem Krieg zurückgekommen, mit dieser großen Erwartung, jetzt bauen wir eine neue Welt auf, nie wieder wird das entstehen können, was gewesen ist. Und dann wurden allenfalls Schönheitsfehler korrigiert.

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Natürlich hat das für mich mit dem Jazz zu tun, dem ich mich zuwandte.

Wir fühlten uns damit als totale Fremdkörper in diesem Land, in dieser Zeit und unter dieser Regierung.

Glaubten Sie damals oder glauben Sie heute daran, daß man mit Musik, mit Kunst etwas verändern kann?

Natürlich sagt man heute nein auf eine solche Frage, aber ich denke, man macht es sich damit zu einfach. Nehmen Sie die Zeit der Aufklärung, da strahlte die Kunst hinein bis in die Verhaltensweisen von Bürgern und Handwerkern. Am Ende stand dann die Französische Revolution. Und gewiß hat die Kunst des "realen Sozialismus" in Osteuropa die Denkweise tiefgehend verändert. Natürlich hat die Musik, die den Deutschen während der Nazizeit eingetrichtert wurde, die Gesellschaft dieser Jahre geprägt. Deshalb wirkte ja auch der Jazz so herausfordernd. Als ich 1946 die ersten Jazzsendungen im SWF machte, bekamen wir Briefe, die ich nicht vergessen werde.

Einen Brief hatte eine Gruppe anonymer Leute unterschrieben, ich wurde gewarnt, ich solle aufpassen, wenn ich nachts das Funkhaus verließe, damit mir nicht "ein paar gute deutsche Fäuste den rechten Rhythmus beibringen" würden. Den rechten!

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