Von Sigmund Freud bis zu Hedwig Courths-Mahler haben viele diesem Phänomen auf die Spur zu kommen versucht: Was bringt Menschen dazu, sich auf Dauer an einen Partner zu binden? Eheschließung setzt schließlich einen starken Trieb voraus, stark genug, die Hemmung vor einem Verlust an Freiheit zu überwinden. Große Geister haben vor dem Akt der Heirat gewarnt. Schopenhauer mahnte: "In unserem monogamischen Weltteile heißt heiraten seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln." Der Dramatiker Christian Grabbe vertrat die Auffassung: "Heiraten, das heißt Nachtigallen zu Stubenvögeln machen." Und Goethe, auf dessen Urteil man nicht verzichten sollte, meinte: "Leider haben überhaupt die Heiraten . . . etwas Tölpelhaftes: sie verderben die zartesten Verhältnisse." Aber hörte Goethe auf Goethe? Nein, er heiratete.

Auch wenn der Autor nach 27 glücklichen Ehejahren den großen Geistern nicht in allem beipflichten kann, hat er sich doch gefragt: Was macht uns zu Stubenvögeln? Selbstverständlich gibt es klassische - oft heftig umstrittene - Gründe. Die Liebe. Die Leidenschaft.

Die Mitgift. Die Konvention. Die vorzeitig sich ankündigende Nachkommenschaft. Daneben gibt es einen Grund, der sich nicht nur der Ratio entzieht, sondern auch dem bewußten Gefühl: die unbewußte Anziehungskraft zwischen zwei Menschen. Manche sprechen von Magnetismus, andere von einer nicht näher erklärbaren Macht, wieder andere versteigen sich gar zur Behauptung, Ehen würden im Himmel geschlossen.

Wie auch immer: Es scheint ein Agens zu geben, das bei der Entscheidung für eine dauerhafte Partnerschaft eine wichtige, vielleicht ausschlaggebende Rolle spielt. Nach jahrtausendealter Meinung der Astrologen ist diese Anziehungskraft zwischen zwei Menschen zwar nicht ein direkt dem Himmel zu verdankendes Geschenk, doch geprägt von dem zum Zeitpunkt der Geburt errechneten Stand der Gestirne. In einer Zeit, die vom Glauben zum Wissen als oberster Maxime gewechselt hat, wird diese Meinung vielfach abgelehnt, bestenfalls belächelt.

In dem vom Autor in der Schweiz gegründeten IMWA-Institut (Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie) haben wir den Versuch unternommen, die von der Astrologie postulierten Phänomene mit wissenschaftlichen Mitteln zu prüfen, also festzustellen, ob diese Phänomene sich bei näherer Betrachtung als Irrglauben entpuppen oder nach den strengen mathematischen Kriterien der Statistik als nachweisbar existent anerkannt werden müssen. Eine der ersten Fragen, denen wir uns zuwandten, war, ob die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen nachprüfbar von deren Sternzeichen (Sonnenzeichen) beeinflußt sein könnte.

Die Untersuchung wurde möglich durch Unterstützung des Bundesamtes für Statistik in Bern, dessen Abteilung für Bevölkerungsentwicklung jede Eheschließung in der Schweiz seit 1987 mit den Geburtsdaten der Partner registriert. Freundlicherweise stellte das Bundesamt diese Daten über alle Eheschließungen zur Verfügung, die in den Jahren 1987 bis 1994 in der Schweiz geschlossen wurden 717 526 Frauen und Männer konnten so ihrem Sternzeichen zugeordnet werden.

Wenn man unterstellt, daß die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sternzeichen keinerlei Einfluß auf die Partnerwahl hat, müßte sich die Zahl der Eheschließungen in etwa gleichmäßig auf die 144 möglichen Kombinationen verteilen. Wobei zu berücksichtigen ist, daß Widder, Stiere, Zwillinge und die anderen im heiratsfähigen Alter in erheblich unterschiedlicher Zahl existieren. Es ist bekannt, daß - jedenfalls auf der nördlichen Erdhälfte - im Frühjahr wesentlich mehr Kinder geboren werden als im Herbst. Da die Widder unter den Sternzeichen überproportional vertreten sind, sind natürlich auch erheblich mehr von Widdern eingegangene Ehen zu erwarten.