Die Tastatur sei "der erniedrigendste, verachtenswerteste Gegenstand, mit dem wir in unserem täglichen Leben umgehen müssen", schimpft der New Yorker Designer Tibor Kalman. Don Norman, Vizepräsident der Forschungsabteilung beim Computerhersteller Apple , pflichtet ihm bei: "Wir haben riesige Anstrengungen in das Design all dessen gesteckt, was man auf dem Bildschirm sieht. Aber die Tastatur scheint direkt von Gott zu kommen, und zwar von einem bösen Gott."

Der böse Gott hieß Christopher Latham Sholes. Im Jahr 1868 entwickelte er die Schreibmaschinentastatur, nach deren Muster auch heute noch die Tasten angeordnet sind, das "Qwerty-System". Den Namen hat es von den ersten sechs Buchstabentasten links oben auf der englischen Tastatur, im Deutschen wurde es nur leicht verändert zu "Quertz", und die meisten Menschen benutzen es ohne Klagen.

Weil sie es nicht besser wissen, behaupten die Kritiker. Sholes, sagen sie, wählte sein System so, daß das Schreiben möglichst umständlich und langsam vonstatten ginge. Das sei damals nötig gewesen, weil sich bei den frühen Schreibmaschinen sehr leicht die Typenhebel verhakten.

Dieser weit verbreiteten Geschichte zufolge ist die Qwerty-Anordnung verantwortlich für Sehnenscheidenentzündungen von Millionen Tipperinnen und Tippern. Dabei hätte es weitaus bessere Systeme gegeben, heißt es. Allen voran die Dvorak-Tastatur, entwickelt 1936 von dem Amerikaner August Dvorak. Er siedelte alle Vokale links an, die wichtigen Konsonanten rechts, und zwar so, daß die häufigsten Buchstaben in einer Reihe liegen.

Eine kleine Schar von Enthusiasten ist seiner Tastatur noch heute treu. Man arbeite mit ihr unschlagbar schnell und bequem, sagen diese Leute. Warum trotzdem nicht alle Welt damit schreibt, erklären sie mit dem enormen Aufwand für eine Umstellung. Sobald Qwerty einmal etabliert gewesen sei, habe kein neues System mehr eine Chance gehabt, weder das von Dvorak noch beispielsweise die sogenannten "Akkord-Tastaturen" mit nur fünf Tasten, die man einhändig bedient, indem man für jeden Buchstaben einen Akkord aus mehreren Tasten greift, was die andere Hand freiläßt, um die Maus am Computer zu führen.

Das Qwerty-Beispiel führen Ökonomen gern an, um die Theorie der path dependence zu belegen, der Abhängigkeit von dem Pfad, den man einmal eingeschlagen hat. Diese Theorie besagt, daß sich mehr oder weniger zufällig auf dem Markt bestimmte Standards durchsetzen, die nicht unbedingt die beste Lösung sein müssen. Aber sobald sie sich etabliert haben, sind sie kaum mehr zu verdrängen.