Der KopfzerbrecherSeite 4/4
So deutet etwa das Sprachzentrum auf eine sprachliche Intelligenz hin, eine nachweisbare anatomische Unterscheidung zwischen der Wahrnehmung natürlicher und künstlicher Objekte dagegen stützt die These der naturalistischen Intelligenz. Bei der existentiellen Intelligenz versagt dieses Kriterium freilich. Zwar ist Gardner überzeugt, daß der Mensch über eine spezifische Fähigkeit verfügt, die ihn vom Tier unterscheidet der Wunsch, Leben, Denken und Sterben zu verstehen. Doch bislang sei unklar, ob es tatsächlich so etwas wie Zentren im Kopf für existentielle Fragen gebe, daher zähle er diese Sorte von Intelligenz nur zur Hälfte.
Ganz offen gibt Gardner zu, daß seine Theorie selbst mit achteinhalb Intelligenzen unvollständig ist: "Eine Sache, die ich wohl nicht wirklich erklären kann, ist ein Maler. Wenn ich darüber rede, sage ich: Das ist räumliche Intelligenz. Aber es ist viel, viel mehr. Aber ich will keine Farbenintelligenz und Formintelligenz erfinden. Daher sage ich einfach: Ich habe keine gute Erklärung dafür, was ein Maler tut." Das stört den populären Forscher indes nicht weiter: "Ich bin sicher, daß, selbst wenn meine Theorie im großen und ganzen richtig ist, die Details falsch sind."
Nur eines sei mit Sicherheit noch falscher, meint Gardner: Die Ansicht, daß es nur eine einzige Art von Intelligenz gebe. "Ich denke, auf dem Radarschirm der Wahrheit taucht das noch nicht einmal auf."
- Datum 24.01.1997 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05/1997
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