Frühwinterlicher Rauhreif hat die Ziegeldächer von Kyllburg eingepudert.

Es ist saukalt. Im Eifler Luft- und Kneippkurort steigt der Rauch aus den Schornsteinen senkrecht in einen wolkenlosen, gletschergrauen Himmel. Am Heldenfriedhof für die Gefallenen der Weltkriege haben sich zwei Busse eingefunden mit Leuten, die sich auf den Weg gemacht haben, in der Eifel ein wenig das Gruseln zu lernen. Der Geschichtsverein Prümer Land und die Volkshochschule Trier haben im Rahmen des Eifel-Literaturfestivals, das jedes Jahr im November stattfindet, zu einer Tagestour zu den Schauplätzen und den Autoren von Krimis eingeladen, die in der Eifel spielen.

Fröstelnd, aber gebannt lauschen die Krimifans Edgar Noske, der hier an dieser wenig anheimelnden Stätte am Fuße der Stiftskirche aus seinem jüngsten Roman "Bitte ein Mord" vorliest: "Wie eine Felswand ragte die Stiftskirche plötzlich vor ihm auf. Licht kam nur von einer dreiarmigen Laterne vor dem Westportal, unterstützt vom matten Schein, der aus einigen Fenstern der gegenüberliegenden Landvolkshochschule fiel, die sich mit der Kirche das Gipfelplateau des Berges teilte." Amateurdetektiv Harry Kaplan hört in der stockfinsteren Nacht ein Wimmern. "Das wird 'ne Katze sein", denkt er. Ist es nicht. Über einem Grabkreuz zusammengekrümmt, haucht Konrad Walterscheidt, Seniorchef der Kyllburger Brauerei, sein Leben aus. Aus seinem Rücken ragt der Pfeil einer Armbrust. Ein Kapitalverbrechen in einem friedlichen Ort, in dem die Polizei sich eher mit vor der Haustür geklauten Milchflaschen beschäftigt.

Noske hat für seinen Krimi ausgiebig mit Tonband, Notizblock und Photoapparat recherchiert. Nicht nur in Kyllburg, sondern auch in benachbarten Orten wie dem einstigen Kesselflicker- und Scherenschleiferdorf Malberg ("Von oben sah es aus wie ein Spielzeugdorf, das ein unordentliches Kind aufgebaut hatte"), in Sankt Thomas, Mohrweiler, Michelbach und Wilsecker. Kein Eifler, der nicht den Titel "Bitte ein Mord" als Anspielung auf den Werbespruch "Bitte ein Bit" der Bitburger Brauerei versteht. Der Konkurrenzkampf zwischen der - erfundenen - kleinen Kyllburger und der - realen - riesigen Eifler Brauerei bildet den Hintergrund der mörderischen Story. Die Bitburger Brauer nahmen es Noske nicht übel, daß er ihr Unternehmen mit finsteren Machenschaften verbandelte. Sie sahen es als Reklame an und schickten zu einer Lesung in Wittlich zwölf Kasten Pils.

Was ist plötzlich los in der Eifel, der ruhigen Landschaft der Wacholderheiden und der tiefen Mischwälder? Hochsitze fliegen in die Luft Scheunen werden angezündet in Bundeswehrdepots wimmelt es von Spionen Kölner Loddel mit Spitznamen wie Koks-Frenzi und Dom-Bomber fallen ein Dorftresen werden zu konspirativen Treffs von Agenten des BND, der CIA und des KGB in Provinzdiskotheken geben sich Ecstasykuriere die Klinke in die Hand in Amtsstuben, die mit guter deutscher Eiche ausgestattet sind, nehmen korrupte Lokalpolitiker die Bestechungscouverts skrupelloser Industrieller entgegen.

Warum sind die Eifler Wege plötzlich von Leichen gepflastert, hatten die Mordkommissionen zwischen Trier und Euskirchen noch nie so viel zu tun? Eifelkrimi nennt sich das Phänomen, welches einer wachsenden Leserschar Gänsehaut und Verlegern ungewohnte Auflagen beschert. Allein in Kyllburg (Einwohnerzahl: 1139) wurde Noskes "Bitte ein Mord" bisher 450mal über den Ladentisch gereicht.

Die zweite Auflage ist in Produktion.