Mikrokredite »Gott meint es gut mit mir«Seite 3/3

"Die meisten meiner 300 Kundinnen zahlen ihre Kredite pünktlich zurück", weiß Mofizul, und er kennt auch die Gründe: die Kontrolle der Nachbarinnen über die Verwendung des Geldes, der Wunsch nach neuen Krediten, die Angst der Gruppe, durch ein säumiges Mitglied die Kreditwürdigkeit zu verlieren, und die Beratung. Wunder bewirken die Kleinkredite nicht, Fortschritt sehr wohl. "Viele Frauen brauchen über zehn Jahre, um aus der Armut zu kommen", weiß Mofizul. Er mißt das daran, ob sie genug zu essen haben, eine Latrine, eine Pumpe und ob die Kinder zur Schule gehen. "Fatima hat es schnell geschafft."

Zweitausend, viertausend, zehntausend, zwanzigtausend: Die Kreditsummen, die Fatima im Laufe der Jahre aufnahm und zurückzahlte, stiegen, die Käufe diversifizieren sich: Immer ging es ihr darum, die Wahrscheinlichkeit des Hungers zu verringern. Noch ein Rind, Hühner, zusätzliches Land, um Reis anzubauen, eine Fahrradrikscha, die an einen Fahrer vermietet wird. Ihre alte Hütte ist längst zur Kochstelle umfunktioniert, nun wohnt die Familie unter dichtem Wellblechdach. Und auch Geld kommt regelmäßig ins Haus: Von einem Nachbarn erfuhr Fatima eines Tages, daß an einer Kreuzung von Feni, der sechzehn Kilometer entfernten Kleinstadt, ein Tabakstand vermietet werden sollte. Sie lieh sich 20 000 Taka und finanzierte damit den neuen Laden ihres Mannes. "Da ist er besser zu gebrauchen als bei der Landarbeit. Und er bringt Geld nach Hause", sagt sie trocken. Hunger schmerzt immer seltener. Jetzt träumt sie von einem richtigen Haus.

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Armut, Reichtum? Für Fatima ist die Antwort einfach: Seit drei Jahren kann sie an Korbani, einem wichtigen islamischen Fest, eine Ziege spenden. Und eingeladen wird sie nun auch, zu Festen der Nachbarn. Die achtzehnjährige Tochter, die noch zu Hause wohnt, ist mit einem Arbeiter verheiratet, der in Saudi-Arabien gutes Geld verdient. Die Söhne wohnen beim Vater in der Stadt, der eine hat seinen eigenen Zigarettenstand, die anderen gehen zur Schule, einer soll bald das College besuchen. Zukunftsangst? "Ich kann mir Medizin kaufen", antwortete sie auf diese Frage. Und lächelt ganz zufrieden. "Gott meint es gut mit mir."

Sekunden später ist sie ins Haus geeilt, ohne ein Wort der Erklärung. "Mein Bruder", sagt ihr Eheman Rafik, der verlegen aus dem Haus kommt. Sein Bruder, ein religiöser Mann, sieht es nicht gern, wenn Frauen auf der Straße herumlaufen. Trägt die erkämpfte Freiheit Fatimas so wenig, daß sie vor dem Schwager flieht? "Sie will sich nicht mit ihm streiten", murmelt ihr Mann, es sei eine Frage des Respektes. Es braucht kaum zwei Minuten, der Bruder ist weitergegangen, und Fatima ist wieder da, verschmitzt lächelnd. Und dann läuft sie noch ein Stück die Straße entlang.

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