Religion darf Unsinn seinSeite 3/3
Manche Religionen kannten und kennen dafür die Todesstrafe. Der säkulare, unreligiöse Staat sieht das anders und verbietet deshalb die Bestrafung der Abtrünnigen.
Von außen betrachtet, kann man die Regel aufstellen: Je mehr Abhängigkeiten ein System produziert, um so religiöser ist es. Ob alle oder wenigstens die meisten leitenden Scientologen an ihr eigenes System glauben, ist kein Kriterium dafür, ob es sich bei Scientology um Religion handelt oder nicht. Ganz abgesehen von der Unmöglichkeit, den Menschen ins Herz zu schauen, muß man den Vertretern jeder Religion das Augurenlächeln zugestehen. Können wir uns nicht mit der Erkenntnis zufriedengeben, daß nicht alle Religionen gut sind? Auch die Annahme, daß keine Religion gut ist, ist nicht abwegig. Aber es gibt nur gute Gründe für die Entscheidung, den Staat aus diesen Fragen herauszuhalten.
Günter Kehrer ist Professor für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Tübingen
- Datum 07.02.1997 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 07/1997
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren