Skifahren: Die neuen Carver sollen den Skifahrern völlig neue Kurvengefühle vermitteln

Der Kniff mit der Kante

Wenn Reinhardt Fischer so dasteht inmitten seiner seltsamen Bretter, in der schwarzweißrot karierten Schottenjacke, die abgescheuerten Rennstiefel von anno dazumal an den Füßen, dann sieht der schmächtige 64jährige nicht gerade aus wie der Urvater der schnittigen Carvingski, mit denen die Industrie in diesem Winter die Herzen der Skifahrer erobern und deren Portemonnaies öffnen will. Fischer und seine in die gleiche Kluft gehüllte Familie wirken eher wie eine Alpenversion der Kelly Family inmitten einer Schar aufgestylter High-Tech-Jünger.

Auf der Bühne links neben Fischers improvisiertem Stand dröhnen "Zehn kleine Jägermeister" von den Toten Hosen aus den Lautsprechern. Zehn Meter weiter rechts auf dem Parkplatz der Talstation von Bad Kleinkirchheim hat die Skiindustrie in einem riesigen Zelt ihre modernsten Produkte in Reih und Glied zu Hunderten akkurat aufgestellt. Dazwischen parkt Fischers klappriger Ford Transit, an einen davor aufgestellten Tapeziertisch lehnt sein Beitrag zum "Carve, board and party"-Wochenende in der Kärntner Skigemeinde: 1,60 und 1,70 Meter kurze Latten, an Schaufeln und Enden gut ein Drittel breiter als jene herkömmlichen Ski, mit denen die staunenden Betrachter bislang die Pisten hinuntersausten.

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Die Pistenflitzer aus Fischers Familienbetrieb - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Skiproduzenten - heißen Snowrider Klassik oder Yeti, die mächtige Konkurrenz aus Österreich, Frankreich und den USA buhlt nebenan mit ähnlichen Geräten namens Cyber 24 X, MegaCarv X 624, Revolution Ice, Ergo, B 52, Axendo 9 oder Zero Xplode um die Gunst der Skiläufer.

Die stark taillierten, drehfreudigen Bretter mit den breiten Enden sollen der maroden Skiindustrie wieder auf die Beine helfen und den seit Jahren anhaltenden Absatzschwund stoppen. Im vergangenen Winter wurden nur halb soviel Ski verkauft wie noch vor zehn Jahren. Die Jugend, die längst lieber auf trendigen Snowboards die Pisten hinunterfegt, haben die Skihersteller bereits verloren. Selbst langjährige Skifahrer steigen zunehmend aufs breite Brett um und pflügen in eleganten Kurven durch den Pulverschnee.

Deshalb kamen die Carver den Herstellern als moderner Impuls für die Lifestyle-Gesellschaft wie gerufen. Atomic, Blizzard & Co, bislang harte Konkurrenten, formieren sich jetzt zu einer Schicksalsgemeinschaft und versprechen ihrer schwindenden Kundschaft mit einer millionenschweren Werbekampagne "ein völlig neues Fahrgefühl, berauschende Fliehkräfte und radikale Kurvenlagen" - ganz wie auf dem Snowboard.

Auf dem Stimmungsbarometer der Branche, der Münchner Sportartikelmesse ISPO, geht es in diesen Tagen vor allem um die nächste Carvergeneration. Schon im nächsten Herbst, so träumen die Fabrikanten, sollen sich, wie bereits heute in den USA, vier von fünf Skikäufern die taillierten Bretter unterschnallen, selbstverständlich mit dazu passenden Carvingstiefeln und Carvingbindungen.

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