Der große PlanSeite 13/13
März 1938 (nach dem Anschluß Österreichs) auf 102 Divisionen plus 15 sogenannte Gerätedivisionen (Ersatzausrüstungen) festgesetzt.
Für drei Monate mußte der Vorrat an Waffen und Gerät gesichert sein bei Munition war eine Menge nötig, die für eine Erstausstattung plus dreißig Kampftage reichte.
Unbekümmert forderte Generaloberst Walther von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres, im Etatjahr 1939 Haushalts- und Betriebsmittel in Höhe von 23 Milliarden Mark. Jeder Sinn für Maßhalten und Möglichkeiten ging verloren. In seiner Reichstagsrede vom 1. September 1939 prahlte Hitler, er habe seit 1933 neunzig Milliarden Mark für den Aufbau der Wehrmacht aufgebracht. Nach 1945 hielten manche diese Zahl für eine der üblichen Übertreibungen. Doch Dirks meint, Hitler habe quasi mit der Wahrheit gelogen, denn er allein hatte den Gesamtüberblick.
Fest steht seit dem Nürnberger Prozeß, daß die Wehrmacht - nach 6 Milliarden Mark für das Etatjahr 1933/34 - von 1935 bis 1939 einschließlich direkt 57,5 Milliarden Mark verbraucht hat. Davon gingen allein über 19 Milliarden an die Luftwaffe. Da aber deren Oberbefehlshaber, Feldmarschall Hermann Göring, zugleich Leiter des Vierjahresplans für die wirtschaftliche Aufrüstung, seit 1938 öfter gesagt hat, Geld spiele nicht länger die Hauptrolle, nimmt Dirks an, Göring könnte sich vielleicht 24 bis 28 Milliarden zugeschanzt haben. Dazurechnen muß man je fünf Milliarden für den Westwall, die Buna-Produktion und die Autobahnen, ferner größere Summen für verborgene Munitionsfabriken, für Waffendepots und für Öllager der Marine, für Post und Bahn, SA und Wehrverbände, Polizei und Waffen-SS.
Im Herbst 1938 trat wegen dreifacher Erhöhung der Rüstungskosten im Reich eine akute Finanzkrise auf. Sie konnte kurzfristig nur dadurch überbrückt werden, daß man nach den Pogromen der "Reichskristallnacht" den deutschen Juden eine Milliarde Mark Sühnegeld auferlegte und außerdem fünf Milliarden Reichsgewinne durch die Arisierung jüdischer Vermögen kassierte. Insgesamt betrug die Verschuldung der öffentlichen Hand 1938 mehr als 51 Milliarden! Sie dürften sich bis zum Kriegsbeginn um nicht weniger als weitere 20 Milliarden erhöht haben. Damit standen jedem Bürger, laut Dirks, mitsamt den Säuglingen des Landes, nahezu 1000 Reichsmark oder nach dem Stande von 1997 etwa 25 000 D-Mark Staatsschulden ins Haus.
Letztlich aber hat das Schuldenmachen weder die Militärs noch die Ministerialbeamten im Finanzministerium sonderlich berührt, hofften doch alle auf künftige "Einnahmen" nach dem siegreichen Krieg. Im Kriegsjahr 1942 mokierte sich Hitler über seine Finanzexperten, die ihm schon bei geringeren Beträgen den Staatsbankrott prophezeit hätten inzwischen seien 150 Milliarden verbraucht und der Staat immer noch nicht bankrott. "Doch das Volk", so Dirks, "war praktisch enteignet, alle Sparguthaben, alle Altersversicherungsguthaben waren geplündert."
Am 29. November 1939 hielt der Wehrwirtschaftsgeneral Georg Thomas, ein hochangesehener Fachmann, vor der Reichsgruppe Industrie einen Vortrag. Thomas hatte 1928 als Major die Aufrüstung mit auf den Weg gebracht. Nun stand man am Anfang des so lange geplanten Krieges. Für das deutsche Volk gehe es, so der Schreibtischtäter Thomas, um Leben und Sterben. "Wir aber wollen leben, und daher müssen wir siegen."
- Datum 07.03.1997 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11/1997
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