Der große PlanSeite 9/13

Er läßt seine Abteilungen im Truppenamt in monatelanger Vorarbeit das erste Rüstungsprogramm auf die Hellinge legen, das dann Heye im September 1928 vom Stapel läßt. Dieser Fünfjahresplan sollte den Nachschub eines 16-Divisionen-A-Heeres für möglichst sechs Wochen sicherstellen.

Der Reedereikaufmann Dirks, der selber als langjähriger Planungschef einer Reedereigruppe Großaufträge geplant hat, ist fasziniert von der Präzision und Gründlichkeit dieser Programme, bei denen, wie in einem Uhrwerk, eins ins andere greift. Anderseits durchschaut er das Zahlengerüst der Militärs, da er es wie eine Bilanz liest.

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Die sechzehn Divisionen hält er für einen Etikettenschwindel, denn neben den Felddivisionen sollten Grenzschutzdivisionen, wenn auch mit verringerter Kampfkraft, aufgestellt werden. Allein mit den 350 000 Gewehren ließen sich je 9000 Grenzsoldaten in 39 Divisionsverbänden ausstatten.

Verwirrung stiften sollte der Gebrauch des großen "A", was alles mögliche heißen konnte: Aufstellung, Ausbildung, Ausrüstung, Aufbau, Alarm, und so weiter. Gemeint war stets das Ausmaß der illegalen Mobilmachung von Zeitfreiwilligen und Reservisten. (Die Marine, die ebenfalls heimlich rüstete, sprach vom V-Fall, V = Verstärkung.)

Infolge der Wirtschaftskrise hat die Reichswehr nicht alle Ziele des ersten Programms erreicht immerhin stellte der Staat zunächst etwa achtzig Millionen Mark jährlich für den geheimen Sektor bereit.

Die Rüstungsvorhaben der Reichswehr bekamen Aufwind, als der ehemalige württembergische General Wilhelm Groener im Januar 1928 neuer Reichswehrminister wurde. Groener, letzter Generalquartiermeister des Ersten Weltkrieges an der Seite Hindenburgs, hatte im November 1918 mit dem sozialdemokratischen Reichskanzler Friedrich Ebert das berühmte antirevolutionäre Bündnis zwischen Heer und Republik geschlossen. Organisatorisch begabt und erfahren in der Kriegswirtschaft, ohne Berührungsangst vor Parlamentariern und Gewerkschaftern, war dieser Pragmatiker und Vernunftrepublikaner der richtige Mann am richtigen Platz.

Natürlich wollte auch Groener Deutschland wieder stark machen.

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