Eine "Erklärung zum menschlichen Genom und den Menschenrechten" will die Unesco noch in diesem Jahr verabschieden. Die internationale Deklaration wird für die Mitgliedsstaaten zwar nicht bindend sein, sie soll aber als Richtschnur gelten für den Bereich der menschlichen Genomforschung. Ein von der UN-Organisation eingesetztes internationales Bioethik-Komitee hat mehr als drei Jahre an dem Entwurf für die Deklaration gearbeitet. Doch auf einer Tagung Anfang März in Bonn, auf der die Deutsche Unesco-Kommission den Deklarationsentwurf erstmals vorstellte, äußerten die geladenen Experten eine fast vernichtende Kritik an dem Papier.

Auf keine der Streitfragen gibt der Entwurf eine Antwort. Man hat sich alle Mühe gegeben, keine Grenzen festzulegen für Verfahren wie Keimbahneingriffe, Klonen menschlicher Zellen, Embryonenforschung oder Patentierung menschlicher Gene. Unklar bleibt, ob die Deklaration zum Schutz der Menschenrechte und -würde gedacht ist oder eine weltweite Förderung der Genomforschung zum Ziel hat.

Der Bonner Ethiker Ludger Honnefelder sprach von einem "Wechselbalg" voller Widersprüche. Der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Peter Canisius, verhinderte allerdings, daß die Experten den Entwurf völlig ablehnten. Auf seine Anregung entstand am Ende der Tagung ein Katalog mit Empfehlungen an die Bundesregierung für Nachbesserungen.

Als wichtigster Punkt, darüber waren sich die Teilnehmer einig, müsse ein Verbot für das Klonen von Menschen festgeschrieben werden.

Einhellig kritisiert wurde auch, daß der Entwurf selbst Eingriffe in das Genom von nichteinwilligungsfähigen Patienten zuläßt, ohne Grenzen oder Bedingungen zu nennen. Bei der Frage, ob Eingriffe in die menschliche Keimbahn zulässig sein sollen, waren sich die Teilnehmer des Unesco-Workshops nicht ganz einig. Ob ein derartiges Verbot international durchsetzbar wäre, ist mehr als fraglich.

Jedenfalls dachte das Bioethik-Komitee der Unesco nicht daran, dies in die Deklaration aufzunehmen. Wiederholt habe er sich dafür eingesetzt, berichtete Ernst Benda, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts und einer von zwei deutschen Vertretern im rund fünfzigköpfigen Internationalen Bioethik-Komitee. Als Antwort habe er nur zu hören bekommen, man wolle "nicht zu sehr in die Details gehen". Offenbar, so Bendas Eindruck, hat ein großer Teil des Unesco-Gremiums das Debattieren satt und möchte den Vorgang vom Tisch haben.

Die Bundesregierung soll schon Mitte April eine Stellungnahme zur Deklaration bei der Unesco einreichen. Ob es gelingt, den verschwommenen Text entscheidend zu präzisieren, bevor er im Herbst den 185 Mitgliedsstaaten der Unesco zur Verabschiedung vorgelegt wird, ist höchst zweifelhaft.