Beinahe hätte Alexander Fleming die Kulturschalen mit den Staphylokokken in den Müll geworfen. Die sorgsam angelegte Bakterienkultur war im Labor verschimmelt. Da fiel dem schottischen Bakteriologen etwas auf. Wo die Schimmelpilze gewachsen waren, fand er keine Bakterien mehr. Hatten die Pilze dem gefährlichen Staphylococcus aureus, Auslöser von Abzessen und lebensbedrohlichen Lungen- und Herzerkrankungen, den Garaus gemacht?

Flemings Schimmelpilze revolutionierten 1928 die Medizin. Von nun an ließen sich Krankheiten heilen, denen Menschen bis dahin hilflos ausgesetzt waren: Lungenentzündung, Kindbettfieber, Wundinfektionen, Menengitis und sogar Schwindsucht. Das Wundermittel hieß Penicillin und war das erste Antibiotikum.

Forscher durchwühlten Böden und entsafteten Pilze. Drei Jahrzehnte später standen die wichtigsten Antibiotika in den Apotheken.

Heute sind etwa 160 verschiedene Präparate auf dem Markt - vornehmlich Abwandlungen der in den fünfziger Jahren gefundenen drei Wirkstoffklassen.

Nur ein einziger neuer Stoff kam in den achtziger Jahren hinzu.

Antibiotika sind Gifte, mit denen sich Bodenpilze (aber auch Bakterien) gegen andere Mikroorganismen zur Wehr setzen. Weil menschliche Zellen anders aufgebaut sind als die der Bakterien, werden die Gifte vom Körper gut vertragen und blockieren nur die Vermehrung der Krankheitserreger.

Doch schon Fleming beobachtete Staphylokokken, denen die Pilzgifte nichts ausmachten. Einige wenige solcher natürlich resistenten Keime leben in jeder Bakterienpopulation. Doch mit denen hat das menschliche Immunsystem nach der Antibiotikabehandlung leichtes Spiel. Überleben sie aber, weil die Behandlung zu früh abgebrochen wurde oder weil das Immunsystem des Patienten zu sehr geschwächt ist, bilden die widerstandsfähigen Erreger neue resistente Stämme.