Die Führungsturbulenzen bei Daimler-Benz nehmen kein Ende: Nach dem Ausscheiden von Konzernvize und Mercedes-Chef Helmut Werner trifft es jetzt die einzige Frau in der obersten Konzernführung: Gerrit Huy, erst seit Mai vergangenen Jahres Vorstandsmitglied der Daimler-Benz InterServices (debis) mit Zuständigkeit für den Bereich Telekommunikation, wird Deutschlands größten Industriekonzern verlassen.

Mit ihrem Scheitern geht eine der auffallendsten Managerkarrieren jäh zu Ende. Die 43jährige Mathematikerin und Volkswirtin, die nach ihrem Doppelstudium noch zwei Jahre in Harvard verbrachte, ging ab 1987 dem damaligen Daimler-Chef Edzard Reuter als Assistentin zur Hand, bevor sie 1990 als erster weiblicher Direktor in der Geschichte von Mercedes-Benz mit der Entwicklungsplanung Pkw betraut wurde. Daß die mit einem Daimler-Mitarbeiter verheiratete Mutter von drei Söhnen als engagierte Streiterin für ihre Ziele bekannt ist, dürfte letztlich ihre Isolierung im debis-Vorstand erklären.

Mit ihrer mehr auf die eigenen Stärken setzenden Strategie war sie zunehmend im Gegensatz zu debis-Chef Klaus Mangold geraten, der in der Telekommunikation eher einen vorsichtigeren Kurs über Kooperationen verfolgt. Mangold will das Huy-Ressort vorerst selber übernehmen.

Über mangelnden Zuwachs an Unternehmenswert, neudeutsch auch Shareholder value genannt, können sich die Aktionäre der adidas AG wahrlich nicht beklagen. "Mehr als verdoppelt" habe sich der Firmenwert seit der Börseneinführung im November 1995, konnte der Vorstandsvorsitzende Robert Louis-Dreyfus anläßlich der Vorstellung des Jahresabschlusses 1996 ("ein überwältigendes Jahr") frohlocken. Und die Zahlen des wieder erstaunlich munter gewordenen Traditionsunternehmens sprechen für sich: Ein Umsatzsprung von 35 Prozent auf den Rekordwert von 4,7 Milliarden Mark und eine Gewinnsteigerung vor Steuern um satte 50 Prozent zeigen, daß mit Sportartikeln derzeit wieder gut zu verdienen ist. Und im laufenden Jahr rechnet die Nummer drei im weltweiten Sportartikelgeschäft erneut mit Zuwächsen über dem Branchendurchschnitt.

Profitiert vom Erfolg hat auch die Mannschaft. Die internationale Vorstandsriege wurde von sechs auf neun Köpfe aufgestockt. Alle fünf Aufsteiger sind jung - zwischen 33 und 42 Jahre - und kommen aus dem Unternehmen. Nachdem mit Steffen Stremme, der als Chef zum Versandhaus Quelle ging, Ende vergangenen Jahres der letzte Deutsche aus der obersten Etage ausgeschieden war, schafften es jetzt mit Herbert Hainer (Verkauf) und Erich Stamminger (Marketing) wieder zwei Inländer, ins Topteam der Marke mit den drei Streifen aufzusteigen. Von Personalabbau, wie bei vielen anderen Börsengünstlingen, ist bei adidas keine Rede. Kein Wunder: Die Herzogenauracher Sportschuster hatten schon in den vergangenen Jahren ihre Produktion komplett in Billiglohnländer verlagert.

Einen Geniestreich haben sich drei betagte Herren ausgedacht: der fast neunzigjährige Ehrenpräsident der Mailänder Mediobanca Enrico Cuccia, der Ehrenpräsident des Fiatkonzerns Giovanni Agnelli und Graf Pietro Marzotto. Sie übertragen der Textilholding Marzotto alle Beteiligungen, die vorher in der Finanzholding Gemina steckten.

Diese einseitige Schatztruhe der norditalienischen Hochfinanz war durch Umstände, die immer noch nicht ganz geklärt sind, in riesenhafte Verluste geraten. Nun gliederten die Partner Industrie- und Bankbeteiligungen auf eine neue Holding aus und brachten diese am gleichen Tag an die Börse, an dem sie ihre Verschmelzung mit der Textilholding Marzotto ankündigten. Zäh und geschickt hat Graf Pietro Marzotto aus Valdagno im Veneto in den letzten zwanzig Jahren zusammengebracht, was in der Textilindustrie Rang und Namen hat. Zuletzt die Aktienmehrheit der Hugo Boss AG aus dem schwäbischen Metzingen.