Er habe, sprach Leander Haußmann dem Kollegen Thomas Wördehoff von der Zürcher Weltwoche aufs Interview-Tonband, "eben immer nur langweilige Aufführungen gesehen", von Mozarts "Figaro" nämlich.

Die von Luc Bondy in Salzburg beispielsweise: "Ich fand das zum Einpennen." Was liegt da näher als der Wunsch, selber "mal eine Oper [zu] machen, wo ich nicht einschlafen würde" - Grund genug für das mutige Basler Theater, dem Star der neuen Fun-Generation der Schauspielregisseure ein entsprechendes Angebot zu machen.

Haußmanns weiterführende Bekenntnisse indes sorgten eher für Irritation, Skepsis oder gar kaum loszuwerdende Vorurteile, etwa: Daß man sich, als Regisseur, die Frage, warum Menschen in der Oper singen, "gar nicht erst stellen" sollte - "denn dann wird man irre" daß Mozart "einer der ersten Popmusiker überhaupt" sei, daß er "Drive" und "Swing" habe - was auch nicht wahrer wird, wenn es zum xtenmal wiederholt wird daß eine Gefahr darin drohe, wenn "man sich entfernt von den Ursprüngen des Ge nres" (welchen?), wenn man Mozart "durch elitäre Interpretationen elitär entfremdet".

Die Antwort freilich auf die Frage, ob er Noten lesen könne - "Nein, ich bin angewiesen auf CD" -, läßt uns wünschen, Haußmann möge bei einer eventuell fälligen Blinddarmoperation nicht an einen Chirurgen geraten, der zuvor noch einmal bei Rauber-Kopsch nachschaut - und ihm dann irrtümlich die Prostata entfernt.

Grundprinzip seiner Regiekonzeption ist die Frage, "ob der Mozart darüber lachen würde". Mangels Notenkenntnissen hat sich Leander Haussmann dazu offenbar statt an der Partitur am "Amadeus"-Kintopp orientiert. Und so kommt, was kommen muß: Statt der Langeweile stellt sich nun ein momentanes Amüsement ein, diese aufgesetzte Heiterkeit für einen Augenblick, die sich ergibt, wenn ein witziger Typ immer wieder einen spontanen Einfall hat - der freilich schon zu Ende ist, bevor er ihn zu Ende geführt hat.

Ihn interessiere, sprach Leander, "zuallererst: Was passiert eigentlich an diesem ,tollen Tag`?". Offenbar war es nicht der Rede wert: die für unterschiedliche Generationen ganz gewöhnliche Normalität - der Versuch, das Leben nicht ernster als notwendig zu nehmen.

Ein bißchen Trouble mit der Alten der übliche (knisternde, aber letztlich vergebliche) Kribbel, eine Frau aufzureißen der ständige Ärger mit dem Personal - etwa dem (Gott, wie langweilig) ständig besoffenen Tölpel von Gärtner dazu ein paar Mißverständnisse - das war's.