Wenn es Malaysias Baulöwe Francis Yeoh zu langweilig wird, lädt er den Opernstar Luciano Pavarotti zum Privatkonzert ein. Aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit spendierte Indonesiens Großindustrieller Liem Sioe Liong ein rauschendes Fest für seine Geschäftsfreunde und zahlte umgerechnet eine Million Mark. Und Hongkongs Medien-Tycoon Run Run Shaw liebt nur eine Sorte Film. "Die, die Geld bringen", sagt er.

Drei Männer, drei Länder, eine Herkunft: Yeoh, Liem und Run stammen aus China. Aus ehemaligen Schuhputzern, Lagerarbeitern oder Handlangern sind Milliardäre geworden, ohne die in Südostasien nichts mehr läuft. Keine andere Minderheit im multikulturellen Asien fing so klein an und kommt heute so groß raus wie die Auslandschinesen.

Aus den südlichen Provinzen flohen sie nach dem Weltkrieg vor der Hungerkatastrophe Chinas. In Dschunken kamen sie über das Meer ins benachbarte Südostasien. Die Chinesen nannten ihre neue Heimat Nanyang, gelobtes Land. Heute gehören viele der Flüchtlinge zu den reichsten Männern der Welt. Das Vermögen der 55 Millionen Auslandschinesen in Südostasien schätzt das Hongkonger Magazin Yazhou Zhoukan auf rund 240 Milliarden Dollar. Von den zehn reichsten Männern, die das Wirtschaftsmagazin !Forbes im vergangenen Jahr kürte, sind vier chinesischer Abstammung.

In den meisten südostasiatischen Ländern bilden die ethnischen Chinesen eine Minderheit. In Indonesien stellen sie nur vier Prozent der Bevölkerung, besitzen aber über siebzig Prozent des Kapitals.

Auf den Philippinen ist zwar lediglich ein Prozent der Bevölkerung chinesischen Ursprungs, aber in Manila stehen hinter 10 der 26 privaten Banken Chinesen. "Und auch in Thailand gehen fünfzig Prozent des Bruttosozialprodukts durch die Hände chinesischer Bankiers", schätzt Victor Limlingan von der Vita Development Corporation in Manila. Vier der fünf größten Banken Thailands befinden sich in chinesischem Familienbesitz, darunter die Bangkok Bank, eines der größten Finanzhäuser Asiens. Ihr Gründer änderte nach dem Krieg seinen Familiennamen. Aus dem Chinesen Chan Pick-chin wurde der Thai-Chinese Chin Sophonpanich, was soviel bedeutet wie "gute Geschäfte".

Ob im Finanzsektor, der Nahrungsmittelindustrie, im Immobiliengeschäft oder in der Forstwirtschaft: An den Schalthebeln sitzen Chinesen.

In Indonesien fällt fast kein Baum, ohne daß Holzbaron Eka Tjipta Widjaja seine Hände im Spiel hat. Das private Vermögen des 72jährigen wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt. Dem Chinesen gehört Indonesiens größtes Holzunternehmen und das Industriekonglomerat Sinar Mas. Außerdem kontrolliert Widjaja die Bank International Indonesia, eines der größten privaten Finanzhäuser des indonesischen Archipels. Widjajas Erfolgsgeheimnis: Geldgier.