Für manchen Vielreisenden ist das blaue Bändchen so etwas wie eine Bibel, und besonders gute Kunden bekommen diese Bibel sogar in limitierter Luxusversion mit Goldschnitt. Beschrieben werden da die Juwelen der Hotellerie, vorgeblich das Feinste vom Feinen, was die gastliche Branche weltweit zu bieten hat.

Auf ihrem letzten Jahreskongreß in Buenos Aires legte die Kooperation der Leading Hotels of the World eine Erfolgsbilanz vor. Die Übernachtungszahlen lagen 1996 bei zweieinhalb Millionen, das ist ein Zuwachs von etwas über zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daß die noblen Adressen ihren Preis haben, macht die erzielte durchschnittliche Zimmerrate deutlich. Sie betrug stolze 303 US-Dollar.

In den letzten zwanzig Jahren sei jedes Jahr erfolgreicher gewesen als das vorhergehende, betont Präsident Joseph A. Giacoponello, "ausgenommen das ,Terrorismus-Jahr` 1985/86 und die ,Kuwait-Krieg/Rezessions-Jahre` 1990/91".

Die Existenz der weltweiten Reservierungs- und Marketingorganisation ist der britischen Savoy Hotel Company zu verdanken. Sie richtete 1927 im Gebäude des "Waldorf Astoria"-Hotels an der New Yorker Park Avenue ein Büro ein, das den Kontakt zu amerikanischen Hotel- und Reiseagenten pflegen und all jenen US-Bürgern Hilfestellung leisten sollte, die Trips nach Europa planten und dabei nach einer guten Hoteladresse Ausschau hielten.

Der Erfolg ließ andere europäische Luxushäuser aufhorchen. Sie baten die Savoy-Gruppe in Amerika, sie gleichfalls zu repräsentieren.

Und da seinerzeit auch Reisen nach Ägypten im Trend lagen, schloß man dieses Land mit ein. 1928 gilt als Geburtsjahr der Leading Hotels of the World. 1930 erschien der ziemlich bescheidene Vorgänger des heutigen blauen Bändchens mit dem Mitgliederverzeichnis. Er trug den Titel "The Luxury Hotels of Europe and Egypt" und beschrieb insgesamt 36 herausragende Herbergen in den beiden Regionen.

Als einzige deutsche Adresse war damals das "Bellevue" in Dresden dabei - nicht zu verwechseln mit dem jetzigen Haus gleichen Namens.