Mich hat immer die Ähnlichkeit des weiblichen Körpers mit einem Gefäß fasziniert, mit einem Musikinstrument oder einer Frucht", bekennt der Photograph Brassai in seinen Gesprächen mit Picasso.

Selbstbewußte Künstlerinnen von heute mögen derartige Vergleiche nicht, die von einem passiven Frauenbild ausgehen: die Frau, das leere Gefäß, das erst gefüllt oder mit den Händen des Virtuosen zum Klingen gebracht werden muß. Die Muse, das Modell. Aber die Rolle der Frau ist in der Gesellschaft auf unterschiedlichste Arten festgeschrieben und mit einem einzigen Kraftakt nicht zu ändern.

Die Amerikanerin Maureen Connor untersucht seit Ende der siebziger Jahre die Beziehung des weiblichen Körpers zur Skulptur. Ganz anders als Brassai, dem in seinen Aktphotos "alles Rundung und Kurve" wird, verliert bei ihr der Körper jegliche physische Präsenz.

An seine Stelle tritt die Kleidung, die von Kindesbeinen an den Gegensatz zum Jungen beschreibt. In der großbürgerlichen Familie, in der Maureen Connor aufwächst, sind die Festkleider bonbonfarben mit gesmokter Taille. Sie verlangen von den Mädchen ein anderes Benehmen als die Hosen der Jungen, und sie werden natürlich aufgehoben wie das handgenähte Brautkleid ihrer Mutter, das auch ihr eigenes wurde.

Der Stoff für ihre Kunst lag sozusagen auf dem Speicher, und Connor nutzte ihn. Sechs gesmokte Kleider, an Größe zunehmend wie das Kind, hat sie trotz mütterlicher Proteste an den Seitennähten aufgetrennt und 1977 zu einer fächerförmigen Skulptur verarbeitet.

Im Titel "Little Lambs Eat Ivy" läßt sie einen alten Kinderreim anklingen. Damals suchte sie nach einem Weg, Kleidung als Material für Kunstwerke akzeptabel zu machen. Schiebt sich in den frühen Werken das Kleidungsstück in seinem Gebrauchswert noch in den Vordergrund, ändert sich das mit Arbeiten wie "Thinner than You" von 1990: Dehnbares Material, bis an die Zerreißgrenze über unterschiedliche Edelstahlformen gespannt, führt zu oft bizarren, anthropomorphen Formen. Der Titel verweist noch auf eine andere zentrale Thematik von Connor: den ewigen Kampf der Frauen um die schlanke Linie.

Eines der witzigsten Stücke in der Ausstellung ist eine ganz normale Badezimmerwaage, bei der anstelle der Gewichtsanzeige ein Monitor installiert ist. Wir sehen eine Frau, die mit unglaublicher Geschwindigkeit einen Teller Spaghetti verschlingt. Weil das Band nach Ablauf sichtbar rückwärts läuft, werden die Nudeln wieder ausgespuckt.