Der Kleine Mann, das ist ein Mann, / mit dem man alles machen kann. / Er steht auf allen Vieren stramm, / beladen mit dem Notprogramm,/ und wartet auf den Schinder. / Er schleppt und darbt und nennt es Pflicht, / denkt nicht an sich und denkt auch nicht / einmal an seine Kinder.

Erich Kästner, 1931

Wird Bonn doch Weimar? Die Zahl der Arbeitslosen hat im Februar abermals einen Nachkriegsrekord erreicht: 4,67 Millionen, also noch 13 600 mehr als im Januar. Doch sind in der Statistik Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Umschulungen nicht erfaßt. Jeder fünfte, der arbeiten könnte, findet auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeit.

In Deutschland wurden solch hohe Zahlen zuletzt kurz vor dem Ende der Weimarer Republik gemeldet. Damals näherte sich die Sockelarbeitslosigkeit den Spitzenwerten in der Erwerbslosenstatistik die Quote im Winter war ähnlich hoch wie im Sommer. Ein Krisenphänomen, das sich gegenwärtig wiederholt. Doch gibt es drei gravierende Unterschiede:

Erstens war die Arbeitslosenquote wesentlich höher als heute, weil weniger Menschen erwerbstätig waren.

Zweitens ging es den Arbeitslosen erheblich schlechter als heute: Von den 6 Millionen Arbeitslosen, die im Januar 1933 gemeldet waren, wurden 4,5 Millionen unterstützt. Nur jeder sechste empfing Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung. Ein Drittel erhielt Krisenfürsorge. Jeder zweite aber war bereits aus dem Leistungssystem herausgefallen und auf die Wohlfahrt der Kommunen angewiesen.

Drittens werden heute Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe bargeldlos abgewickelt. Not und Elend bleiben unsichtbar. Vor den Ämtern stehen keine "Stempler"-Schlangen wie damals.