Das hatten sich die Gründerväter von einst hübsch ausgedacht: Universität, ganz anders. Schluß mit den verkrusteten Strukturen der alten Ordinarien. Schluß mit Titeln und Hierarchien. Konstanz, die Reformhochschule in Deutschlands tiefem Süden, stand für kurze Studienzeiten und kleine Lerngruppen, für demokratische Mitbestimmung, interdisziplinäres, internationales Arbeiten und intensive Forschung.

Konstanz sollte den berstenden Massenuniversitäten die Überschaubarkeit einer kleinen Gemeinschaft von Lernenden und Lehrenden entgegenstellen, an der endlich wieder alle Lehre aus Forschung erwachsen sollte.

All die kleinen Hegels, soll Bayerns späterer Kultusminister Hans Maier damals gespöttelt haben, von Ralf Dahrendorf bis Waldemar Besson kamen an den Bodensee, um hier Besseres aufzubauen. Das war vor dreißig Jahren. Springen wir in die Gegenwart.

"Na, ist das nicht schön hier?" Rektor Rudolf Cohen kann seinen Stolz beim Blick aus dem Fenster kaum bremsen. Wie blau er ist, der Bodensee, wie satt er ausschaut. Der neue Rektor, seit April vergangenen Jahres im Amt, war schon dabei, als Konstanz in den siebziger Jahren mit Stuttgart um die Reformen stritt. Da der Biologe Hubert Markl die Wahl zum Unichef überraschend ausschlug, ließ sich der 63jährige Psychologie-Professor überreden. Gell, sagten die Kollegen, da kannsch du dees machen. "Joo", gluckst Cohen, "da hab' ich's halt gemacht."

Was hat er vor mit der Universität? Bewahren ist die Devise für die nächsten vier Jahre. Damit ist es dem neuen Rektor ernst.

Kein Klacks: Rund sieben Millionen, das ist die Vorgabe aus Stuttgart, müssen abgeknapst werden. Neunzig Prozent der Ausgaben sind fix, gehen drauf für Personal, Heizung, Telephon. Nur zehn Prozent sind überhaupt variabel. Leicht wird es da nicht, zu bewahren.

Denn die junge Universität hat relativ wenig Bauchspeck. Im Gegensatz zu manch alten Universitäten im Ländle gibt es zum Beispiel kaum Überlappungen bei den Lehrstühlen. Ohne die dreißig Millionen Drittmittel - fast ein Viertel des Haushaltes - sähe es trübe aus.