Washington

Vor ein paar Wochen schien es, als fiele der lange Schatten einer angeblichen amourösen Affäre auf die zweite Amtsperiode Bill Clintons. Die ehemalige Angestellte des Staates Arkansas, Paula Jones, wollte beim Supreme Court das Recht auf einen sofortigen Prozeß wegen sexueller Nötigung erwirken. Noch hat Amerikas oberstes Gericht nicht entschieden. Aber schon rollt eine neue, eine viel gewaltigere Skandalwelle über das Weiße Haus. Es geht um Wahlkampfspenden und darum, wie das Amt und die nationalen Symbole genutzt wurden, um die Gelder einzuwerben.

Hier ein Fall, einer mit einer amüsanten Note: Gail Zappa ist eine wohlhabende Witwe. Ihr verstorbener Mann war Frank Zappa, einer der wilden Rockbarden der sechziger und siebziger Jahre.

Er muß ihr einige Millionen Dollar hinterlassen haben. Jedenfalls kam Gail Zappa vor zwei Jahren auf die Idee, Geld für den Wahlkampf des Präsidenten zu spenden. Ganz einfach einen Scheck ausstellen?

Das ist in den Vereinigten Staaten nur eingeschränkt erlaubt: Pro Wahl darf eine Privatperson einem Kandidaten nicht mehr als tausend Dollar geben. Gail Zappa aber wollte dem um seine Wiederwahl bangenden Clinton über eine Viertelmillion Dollar zukommen lassen.

Sie hieß ihren Anwalt diskrete Erkundigungen einziehen. Er fand heraus, daß sie sich mit einem gewissen Peter Knight ins Benehmen setzen müsse. Knight war zwar der Wahlkampfmanager für das Gespann Clinton/Gore und hätte deshalb eigentlich selber keine größere Summen entgegennehmen dürfen. Aber er unterhielt beste Beziehungen zum Democratic National Committee, dessen eigentlicher Zweck es ist, die Gesetze zur Begrenzung der Wahlkampfspenden zu umgehen und so die Kassen der Demokratischen Partei zu füllen. Frau Zappa stellte darauf über ein Jahr hinweg mehrere Schecks in einer Gesamthöhe von 240 000 Dollar aus und schickte sie Knight zu. Dieser wiederum gab sie brav dem Komitee, das nur indirekt zur Wahl von Clinton aufrief. Nie wurde das Gesetz verletzt.

Der Witwe Zappa wurde selbstverständlich für ihre freundliche Hilfe gedankt. Nicht gleich mit einer Übernachtung im Lincoln-Zimmer des Weißen Hauses. Aber sie durfte Albert Gore persönlich kennenlernen.