In der Hoffnung, die "Piefke"-Bürokratie doch noch bekehren zu können, hat die oberösterreichische Bauernwitwe Franziska Jägerstätter die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Berlin ersucht, das Todesurteil gegen ihren vor bald 54 Jahren hingerichteten Ehemann Franz aufzuheben - möglichst bis zum 20. Mai, an dem er neunzig Jahre alt geworden wäre. Aus religiösen Gründen hatte er den Kriegsdienst für Hitler verweigert. Das genügt zwar, um in Rom ein Seligsprechungsverfahren in Gang zu setzen in Berlin aber wurde schon vor drei Jahren - sogar gerichtlich - entschieden, daß auch nur eine Gedenktafel für Jägerstätter unerwünscht sei. Da sich jedoch inzwischen vierzehn deutsche Bundesländer um die Rehabilitierung verurteilter Kriegsdienstverweigerer bemühen, wagte die 84jährige Frau Franziska, "angesichts meines hohen Alters um ein beschleunigtes Verfahren zu ersuchen". Aber hat es Einsicht, die nicht heilig ist, je eiliger gehabt?