Selten wird eine junge Ehe so schwer geprüft wie die von Saima Waheed und Arshad Ahmed. Über ein Jahr lang mußte die Braut nach der Hochzeit in einem Frauenhaus der pakistanischen Hauptstadt Lahore Zuflucht suchen. Zuvor war die Studentin vom Vater vor Gericht gezerrt und von der Polizei mißhandelt worden. Ihr Mann, ein Lehrer, mußte gar vier Monate im Gefängnis ausharren, ehe er gegen Kaution freigelassen wurde. Und warum das alles? Weil das junge Paar im Februar 1996 (beide waren nach islamischem Recht volljährig) so unverfroren gewesen war, ohne vorherige elterliche Erlaubnis zu heiraten.

Nun hat die Liebe doch gesiegt - jedenfalls einstweilen. Am Montag wies ein Gericht in Lahore mit einer Mehrheit von zwei zu eins die Klage von Saimas Eltern ab, die behauptet hatten, sie werde im Frauenhaus gefangengehalten. Heikler war indes der zweite Antrag der Eltern: auch Saimas Ehe sollte für null und nichtig erklärt werden. Nur einer der drei Richter war mutig genug, zu schreiben, daß es im islamischen Eherecht umstritten sei, ob eine erwachsene Frau zum Heiraten die Zustimmung ihres Vaters brauche. Der Mehrheitsbeschluß dagegen windet sich krampfhaft aus der Affäre: Es sei nicht zu billigen, daß ein muslimisches Mädchen sich über die Wünsche ihrer Eltern hinwegsetze. Andererseits - man hört förmlich den Seufzer der Erleichterung auf der Richterbank - gebe es kein Gesetz, das es den Richtern gestatte, die Ehe zu annullieren.

"Ein politisches Urteil", sagt I. A. Rehman, Direktor der nichtstaatlichen pakistanischen Menschenrechtskommission, und meint damit, daß die säkularen Institutionen seines Landes sich zur Rücksicht auf zunehmend aggressive Islamisten gezwungen sehen. Immerhin: Die Brautleute dürfen zusammenbleiben. Asma Jahangir, Vorsitzende der Kommission und kettenrauchende, kampflustige Anwältin Saimas, spricht gar von einer "historischen Entscheidung".

Ob es dabei bleibt, wird der Oberste Gerichtshof entscheiden.

Hilfe könnten die Richter in einem Vertrag finden, den ihre Regierung am 12. März 1996 ratifiziert hat: der UN-Frauenrechtskonvention.

Pakistan hat sich darin verpflichtet, seine Bürgerinnen vor jeder Art von Diskriminierung zu schützen.