Glückskinder sind Stars des Gelingens und Aufhalter der Zeit.

Wenn Glückskinder in die Jahre kommen, geraten sie manchmal in Panik, besonders, wenn es sich um erfolgsbesonnte Regie-Stars handelt. Die Zeit beginnt, ihrer Kontrolle zu entrinnen. Die Strahlkräfte lassen nach. Ihre Glückssträhnen werden grau. Die Welt, die sie bisher verwöhnt hat, läßt durchblicken, daß sie ihrer Glückskindereien überdrüssig wird, zumindest hier und jetzt. Das macht die Glückskinder, die Stars, nervös. Und aus Nervosität werden sie waghalsig. Dann stürzen sie sich in ein Risikospiel, nennen wir es: Star-Stechen.

An Claus Peymann, dem harmlosesten Märchen-Regisseur mit dem sonnigsten Kindergemüt, der je als Links-Berserker des politischen Theaters mißverstanden wurde, kann man die Regeln des Star-Stechens gut studieren.

Bei diesem Spiel droht der Star periodisch und rituell mit seinem Abgang. Das ist aber nicht so gemeint, sondern ein Akt der Koketterie, eine verkappte Huldigungsübung. Der Star will gar nicht gehen.

Er möchte bloß bestätigt sehen, daß sein Name immer noch alle Asse aussticht. Damit riskiert er aber, daß ihm der Star gestochen wird: Er läuft Gefahr, daß die Welt womöglich seinen Abschied dankend annimmt.

So geschah es jüngst Peter Stein. Der drohte so lange mit seinem Abgang als Schauspielleiter der Salzburger Festspiele, bis er sich zu seiner Verblüffung durch Ivan Nagel ersetzt fand. Und so ist es jetzt dem Burgtheater-Direktor Claus Peymann ergangen.

Der kokettierte einmal zu oft mit seinem Exodus - und mußte verdutzt feststellen, daß man ihn beim Wort genommen hat.